Und das Paketaufkommen wird weiter steigen – auch weil die Deutschen exzessiv vom Umtausch Gebrauch machen. Zalando sichert seinen Kunden in Deutschland zu, jedes Paket innerhalb von 100 Tagen kostenlos zurückzunehmen. Über alle Zalando-Märkte hinweg wird jedes zweite Paket zurückgeschickt. In Deutschland liegt die Quote sogar noch höher, einige Fachleute schätzen sie auf mehr als 70 Prozent. Konkrete Zahlen will das Unternehmen aber nicht nennen. 

Verständlich. Für Online-Händler sind Retouren ein großer Kostenblock. "Wie oft Pakete zurückgeschickt werden, hat erhebliche Auswirkungen auf die Profitabilität des Geschäftsmodells", sagt Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg. In einer Studie beziffert die Forschungsstelle die durchschnittlichen Kosten je Retourpaket auf 15,18 Euro – ein Mix aus Wertverlust und Kosten für die Rückabwicklung.

Männer schicken seltener zurück

Zalando, Amazon und Co versuchen deshalb mit allen Mitteln, Retouren zu verhindern. In der Schweiz und Österreich gewährt Zalando seinen Kunden etwa nur eine kostenlose Rückgabefrist von 30 Tagen. Die Retourenquote im gesamten Unternehmen lässt sich nach Einschätzung Asdeckers gezielt drücken, indem man in der Werbung etwa verstärkt Männer anspreche (diese schicken seltener zurück) oder in Ländern werbe, in denen Kunden noch nicht gewohnt seien, Waren kostenlos zurückzusenden.

Trotzdem ist die Zahl der ungewollten und zurückgeschickten Sendungen enorm. Asdecker schätzt, dass rund 286 Millionen Pakete im Jahr zurückgeschickt werden. Wenn man davon ausgeht, dass die Pakete im Schnitt 40 Zentimeter lang sind, dann würden sich allein die Retouren aus Deutschland 2,8-mal um die Erde schlängeln. 

Diese Flut von Paketen muss täglich zugestellt werden. Und so hat längst in Städten und Gemeinden der Kampf um die zweite Reihe begonnen: Kurierdienste parken, wo es irgendwie geht und sorgen so regelmäßig für Stau. Das Paketwachstum hat Folgen, nicht nur für das Klima, sondern auch für die Feinstaub- und Lärmbelastung in den Städten.

Solche Themen spielen bei Zalando aber bislang keine große Rolle. Das Unternehmen verweist bei Anfragen zur Klimabilanz auf seinen Logistikpartner DHL, das mit dem Programm Gogreen die Klima- und Umweltbilanz verbessern will. Noch ist das Unternehmen damit beschäftigt, um jeden Preis zu wachsen.

 Aber wie öko ist der Online-Kauf nun? Kann man ihn guten Gewissens tätigen und vielleicht auch ab und an ein Paket wieder zurückschicken? Die ehrliche, aber unbefriedigende Antwort lautet: Schwer zu sagen. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle. DHL geht beispielsweise davon aus, dass für den Transport eines Pakets in Deutschland vom Lager zum Kunden nach Hause durchschnittlich rund 600 Gramm CO2 ausgestoßen werden. Das Öko-Institut unterstellt dagegen rund 200 Gramm CO2 je Kilometer, falls man mit dem Auto zum Einkaufen fährt. Im Schnitt legt der Deutsche rund sechs Kilometer auf einer Einkaufsfahrt zurück – macht also 2,4 Kilogramm CO2-Emissionen für Hin- und Rückfahrt.

Unklare Ökobilanz

Damit die Zahlen überhaupt vergleichbar sind, müsste sich der Autofahrer nur für das eine, spezielle Produkt ins Auto gesetzt haben – eher unwahrscheinlich. Und wer nicht Auto fährt, sondern die Straßenbahn nutzt oder gar zu Fuß geht, der verbessert die CO2-Bilanz gleich immens. Klar ist aber auch, dass die Unterhaltung eines stationären Filialnetzes Energie verbraucht – ein Pluspunkt für den Online-Einkauf. "Gerade die Strom- und Wärmeverbräuche der Läden können einen großen Einfluss auf die Klimabilanz haben", sagt Thomas Bergmann, Logistikfachmann des Öko-Instituts.

Viele Kunden wenden sich bei so viel Komplexität ab. Für sie zählt Komfort und Preis. Es sei eine "massive Überforderung für die Konsumenten", sagt Ökonom Ulrich Thielemann von der Denkfabrik für Wirtschaftsethik, die gesamtgesellschaftlichen Folgen des Online-Einkaufs nicht nur zu überblicken, sondern auch zu bewerten und dann auch noch auf dieser Basis entsprechend zu handeln. Trotzdem plädiert er dafür, dass sich jeder Kunde klarmache: Mein Einkauf hat ökologische und soziale Folgen. "Wir sind nicht nur Konsumenten, sondern auch Bürger."

Die meisten Online-Shopper wissen das sicherlich, oder ahnen es zumindest. So auch vielleicht die Kollegin, die auf die Frage "Kaufst du bei Zalando?" antwortet: "Ja, mit schlechtem Gewissen."