Auch mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Arbeitslosigkeit immer noch eines der größten ökonomischen Probleme Ostdeutschlands. Im Westen lag die Arbeitslosenquote im September bei niedrigen 5,8 Prozent, im Osten dagegen bei 9,1 Prozent. Bis Mitte des vorigen Jahrzehnts war die Quote in den neuen Bundesländern fast immer doppelt so hoch wie in den alten. Mittlerweile ist der Abstand etwas geringer geworden.

An qualifizierten Arbeitskräften mangelt es in Ostdeutschland jedoch nicht. Das zeigt unsere Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. So gibt es im Osten nicht nur mehr Akademiker unter den Erwerbstätigen als im Westen, sondern auch deutlich weniger Menschen ohne jegliche Berufsausbildung.

"In Westdeutschland ist die Arbeitslosigkeit in besonderem Maße ein Qualifikationsproblem", heißt es dazu in einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In den alten Bundesländern habe im August etwa die Hälfte aller Arbeitslosen keine Berufsausbildung gehabt. Im Osten war es dagegen nur ein Drittel, ohne Berlin sogar nur etwas mehr als ein Viertel. "An der formalen Qualifikation des Arbeitskräftepotentials kann es demnach nicht liegen, dass der Osten bei der Produktivität noch weit zurück und bei der Arbeitslosigkeit weit vorn liegt", so das DIW.

Ein Grund für die gute Qualifikationsstruktur liegt noch in der DDR: Es sei damals völlig üblich gewesen, eine Ausbildung zu machen, sagt Studienautor Karl Brenke. Es habe in der Vergangenheit im Osten nur wenige sehr einfache Tätigkeiten gegeben. Ein anderer Grund ist der so genannte Migrationseffekt, der sich insbesondere im Westen bemerkbar macht. Unter den Migranten sei der Anteil der Menschen ohne Berufsausbildung hoch, sagt Brenke. Und im Westen lebten mehr Menschen mit Migrationshintergrund als im Osten.

Dass die Arbeitslosigkeit im Osten trotz der guten Qualifikationsstruktur deutlich höher ist, hat für den DIW-Forscher einen einfachen Grund: Es mangelt an großen Arbeitgebern. "Ostdeutschland hat zu wenige größere und mittlere Unternehmen, die auf überregionalen Märkten eine große Rolle spielen", sagt Brenke. Er glaubt aber, dass sich die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt fortsetzen wird. Nur sei sie nicht ökonomisch begründet, sondern demografisch. Die Einwohnerzahl im Osten sinke – und "damit auch die Zahl der Personen, die einen Job nachfragen".