Und dann standen die Klassenräume leer: Die Hauptschule in Wallenfels war ursprünglich für 600 Schüler konzipiert. Doch zuletzt gab es nur noch 80. Während 1970 noch 56 Kinder in Wallenfels geboren wurden, kamen in den vergangenen Jahren durchschnittlich nur noch 18 pro Jahr zur Welt.                     

Wallenfels ist ein kleiner Ort in Bayern, gelegen im Landkreis Kronach in Oberfranken. Eine idyllische Ecke Deutschlands, die Wilde Rodach schlängelt sich hier durchs Tal, die Festung Rosenberg wacht über Kronach. Doch auch hier schlägt der demografische Wandel zu, nicht nur in Ostdeutschland. Ende 2013 lebten in Kronach noch 68.484 Menschen. 2020 werden es nur noch rund 65.000 sein, prognostiziert die Bertelsmann Stiftung. Das Durchschnittsalter wird im gleichen Zeitraum von 44,8 auf über 48 Jahre steigen. Der Anteil der unter 18-Jährigen von 15,8 auf 12,9 Prozent sinken.  

Es sind Trends, die sich schon seit Längerem in Deutschland beobachten lassen. In den deutschen Metropolregionen steigen die Mieten seit Jahren. Immer mehr Menschen zieht es nach Hamburg, Frankfurt oder München. Für Geringverdienende wird günstiger Wohnraum in Großstädten knapp

Gleichzeitig müssen in vielen ländlichen Regionen Schulen geschlossen werden, weil es nicht mehr genug Schüler gibt. Junge Erwachsene und Familien ziehen weg, weil sie keine Arbeit finden oder einfach lieber in der Stadt wohnen wollen. Die ländliche Bevölkerung überaltert. Die Folge: leerstehende Häuser, fehlende Einkaufsmöglichkeiten oder nicht nachbesetzte Arztpraxen. "Fast jedes Bundesland ist von dieser Entwicklung betroffen", sagt Beate Hollbach-Grömig vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu) in Berlin. "Die Uckermark, Teile von Schleswig-Holstein, aber auch Nordbayern sind Gebiete, die mit Abwanderung und dem demographischem Wandel zu kämpfen haben."

Aber was kann eine Gemeinde in einem solchen Fall machen? In Wallenfels nahm man Geld in die Hand: Für rund 6,6 Millionen Euro ließ die Kommune die Hauptschule sanieren und verwandelte sie in ein Bildungszentrum. Jetzt sind hier Krippe, Kindergarten, Grundschule, Kinderhort, Musikschule, Bücherei und Volkshochschule unter einem Dach vereint. Das Miteinander der verschieden Altersstufen könne "Schwellenängste am Übergang von Kindergarten zur Schule abbauen", sagt Jens Korn, Bürgermeister von Wallenfels. "Die gemeinsame Nutzung von Computerraum oder der Turnhalle bietet Synergieeffekte. Und das Personal der vier Einrichtungen kann sich bei auftretendem Förderbedarf für einzelne Kinder eng abstimmen."

Korn ist überzeugt, dass er der Überalterung seiner Stadt etwas entgegensetzen kann: "Wir müssen den Bürgern eine Heimat bieten, in der sie sich wohlfühlen und im Zweifel auch längere Pendelwege zur Arbeit in Kauf nehmen", sagt er. Korn weiß aber auch, wie lange ein solcher Prozess dauert: "Wir befinden uns am Anfang einer langfristigen Stadtsanierung", sagt er. 

Auch die ansässigen Unternehmen haben das verstanden: "Wir müssen alle zusammenarbeiten", sagt Thomas Kneitz, einer der Geschäftsführer der FFH Familien Heinz Holding in Kleintettau im Landkreis Kronach. Abzuwarten, bis niemand mehr da ist, sei keine Alternative.