Das ambitionierte internationale Wüstenstromprojekt Desertec (Dii) wird fünf Jahre nach seinem Start in seiner bisherigen Form aufgelöst. Erhalten bleibt eine kleine Beratungsfirma, die das erworbene Knowhow bewahren und weitergeben soll. "Als Gesellschafter der neuen Dii gehen vorerst ACWA Power (Saudi-Arabien), RWE (Deutschland) und SGCC (China) an den Start", teilte die Industrieinitiative nach einem Treffen aller beteiligten Firmen in Rom mit.

Viele der einmal 35 Gesellschafter haben sich damit von dem Projekt und der Vision von einer breiten Versorgung mit Sonnenstrom aus der Wüste verabschiedet. Desertec sprach von einem "Eintritt in eine neue Phase" und einer Anpassung des Geschäftsmodells. Dii solle mit neuer Ausrichtung weitergeführt werden und sich in erster Linie auf Dienstleistungen konzentrieren für ihre Gesellschafter, die im Nahen Osten und Nordafrika zu konkreten Projektaktivitäten beitragen und deren Verwirklichung erleichtern, hieß es.

Desertec stelle sich auf veränderte Anforderungen ein, sagte Geschäftsführer Paul von Son. Der Niederländer selbst hatte im September seinen Wechsel zu RWE zum Jahresbeginn 2015 angekündigt. 

Kaum Bereitschaft zur Fortsetzung

Auf die kleine Lösung mit nur drei beteiligten Firmen haben sich die verbliebenen Gesellschafter am späten Montagabend geeinigt. Die Münchner Rückversicherung, die die Desertec-Initiative vor fünf Jahren mit aus der Taufe gehoben hatte, und die anderen Gesellschafter stiegen aus. Vorausgegangen waren monatelange, erfolglose Beratungen über ein gemeinsames Zukunftskonzept für Desertec. Es ging zuletzt um einen Etat von zwei Millionen Euro.

Laut der Süddeutschen Zeitung zeigten zu wenige Gesellschafter auf dem entscheidenden Treffen die Bereitschaft, aus der auf fünf Jahre befristeten Organisation eine Dauereinrichtung in bisheriger Größenordnung zu machen. Damit müsse die Dii-Zentrale mit Sitz im Münchner Stadtteil Schwabing Ende 2014 schließen.

Verunsicherung auch durch politische Umstände

Desertec war als eines der ehrgeizigsten Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien an den Start gegangen. Laut einer Machbarkeitsstudie sollte es helfen, bis 2050 Hunderte Kraftwerke für Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und dem Nahen Osten zu bauen. Diese sollten den Strombedarf der Region zu weiten Teilen decken können sowie zudem noch rund 15 Prozent des europäischen Verbrauchs. Das geschätzte Investitionsvolumen über die Jahrzehnte lag bei 400 Milliarden Euro.

Doch viele der ambitionierten Vorhaben wurden nicht realisiert. Der Export des Sonnenstroms bis nach Deutschland galt Kritikern von Anfang an als zu teuer. Außerdem müssten die afrikanischen Länder ihren eigenen wachsenden Energiebedarf stillen und hätten voraussichtlich keine Überschüsse zu verkaufen. Für Verunsicherung bei den Gesellschaftern sorgten auch politische Entwicklungen sowie Umstürze, Bürgerkriege und Terror in der arabischen Welt. Mehrere deutsche Firmen, darunter Siemens, Bosch und E.on, hatten sich schon aus dem Projekt zurückgezogen.