Der britische Premierminister David Cameron hat den Streit über Nachzahlungen an die Europäische Union zum Thema auf dem EU-Gipfel gemacht und ein Sondertreffen der Finanzminister dazu gefordert. "Er hat im Rat das Wort ergriffen", sagte ein britischer Regierungsvertreter am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. "Er sagte, es müsse eine Diskussion der 28 Finanzminister dazu geben."

Die EU fordert von Großbritannien eine Nachzahlung über 2,1 Milliarden Euro bis zum 1. Dezember. Grund dafür ist laut der Financial Times und dem Guardian der Erfolg der britischen Wirtschaft. Diese sei seit 1995 stärker gewachsen als ursprünglich kalkuliert.

Basierend auf einer neuen Berechnung der EU-Statistiker, die das Bruttonationaleinkommen der EU-Mitglieder zugrunde lege, schuldeten die Briten die genannte Summe. Auch die Niederlande müssten EU-Beiträge nachzahlen, während Deutschland und Frankreich mit Rückzahlungen rechnen könnten. Vertreter der EU sagten, die Neuberechnung basiere auf einem Standard, auf den sich die Mitgliedsstaaten geeinigt hätten.

Ein Sprecher der britischen Regierung bezeichnete die Forderung als nicht hinnehmbar. "Die Europäische Kommission hat dieses Geld nicht erwartet und braucht dieses Geld nicht", zitierte ihn der Guardian. "Wir werden gemeinsam mit anderen betroffenen Ländern dagegen vorgehen."

Cameron in Bedrängnis

Ein EU-Sprecher sagte, der Zeitpunkt der Forderung sei nicht ideal. "Aber es gibt Regeln, die wir befolgen müssen", sagte er.

Der britische Premierminister David Cameron wollte eigentlich sämtliche weitere Forderungen der EU ablehnen und dies bei der EU in Brüssel durchsetzen. Cameron steht unter Druck, weil sein distanzierter Kurs zur EU auf Kritik bei den Europäern stößt, er aber im eigenen Land die Europagegner von der Partei Ukip auf Abstand halten will.  

Der Ukip-Chef reagierte prompt auf die Forderung der EU. "Die EU macht klar, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht honoriert, sondern bestraft wird", sagte Nigel Farage dem Guardian. Cameron müsse sein Veto dagegen einlegen, wenn er glaubwürdig bleiben wolle.