Länder und Kommunen stampfen nämlich nicht nur Flüchtlingsunterkünfte massenhaft aus dem Boden, nachdem sie sich jahrelang eher um deren Rückbau gekümmert haben, sondern ihnen fehlen auch Kindertagesstätten, die nun allerorten neu entstehen sollen. Auch die werden oft in Modulbauweise gebaut, sagt Huckauf: "Da kollidieren gerade bundesweit zwei Großprojekte der Behörden miteinander, das treibt die Preise." Sogar an Unternehmen, die in Holzbauweise Gebäude errichten, vergeben Kommunen inzwischen viele Aufträge. Das war vielen bisher zu teuer. Letzten Endes zahlt der Steuerzahler für die Mehrausgaben.

Nun könnte man argumentieren, das seien eben Pech, so funktioniere eben der Markt: Je größer die Nachfrage, desto höher die Preise. Tatsächlich aber kommen die Preissteigerungen dadurch zustande, dass der Staat in seiner Not den Wettbewerb am Bau nun durch die neuen Richtlinien begrenzt, damit er selber schneller handeln kann.

Das war schon einmal so, als die Bundesregierung die Länder im großen Stile zum Bauen aufrief: Beim Konjunkturpaket nach der Finanzkrise 2008 lockerte die Regierung ebenfalls die Vergaberichtlinien für den Bau von Infrastrukturmaßnahmen. Das Ergebnis, so hat der Bundesrechnungshof in einem Sonderbericht 2012 ermittelt: "Die Vergabeerleichterungen haben den Wettbewerb deutlich eingeschränkt. Der erhöhte Anteil nicht öffentlicher Verfahren hat es weniger Unternehmen als zuvor ermöglicht, am Wettbewerb teilzunehmen." Das habe über 16.000 Vergabeverfahren zu "Mehrausgaben von bis zu 13 Prozent" geführt.

"Erhöhte Korruptionsrisiken"

 Häufig boten Firmen auch nur wenig teurer an, schlugen später aber über Nachforderungen noch einmal zu. Zudem stellten die Ausgabenhüter fest, dass Schnellvergaben und beschränkte Ausschreibungen "erhöhte Korruptions- und Manipulationsrisiken" bergen, weil Behördenmitarbeiter Aufträge leichter an Personen und Unternehmen vergeben könnten, zu denen sie auch Beziehungen unterhalten. Dies sollten Vorschriften zwar verhindern, doch "es ist nicht erkennbar, ob Gegenmaßnahmen gewirkt haben".

Bei den Baufirmen bemüht man sich derzeit, die Auftragsflut nicht allzu euphorisch zu kommentieren. "Das Geschäft läuft gut", heißt es bei einigen, die aber ihren Namen lieber nicht in den Medien lesen wollen. Einer der Großen der Branche, Alho Systembau, der seine Modulbauten ausdrücklich als Unterkünfte für Asylbewerber anbietet, stellt fest, dass sich viele Kommunen von den günstigen und kurzfristigen Containerlösungen verabschieden und mehr Häuser für die längere Nutzung bauen, auch aus Imagegründen. Das sei natürlich teurer.

Die Frage, ob die Unternehmen ihre Preise jüngst angehoben haben, wollen sie nicht kommentieren. Manche sagen dazu: "Es war noch nie billig, Fertighäuser im Modulbau zu errichten. Aber dafür ersparen wir den Planern und Bauherren ja auch 70 Prozent der Bauzeit – und die Kommunen stehen unter Zugzwang." Manche kleinere Firmen geben sogar zu, dass sie manchmal entgegen ihrer Ausschreibungen nicht gerade die teuersten Materialien verbauen, wenn es um Flüchtlingsunterkünfte geht, "da geht ja schneller mal was kaputt und man muss die Wände sowieso regelmäßig auswechseln."

Gelegentlich fällt das Architekten in den Planungsämtern der Kommunen sogar auf, räumt einer von ihnen ein: "Aber wir nehmen das trotzdem, wir haben ja keine andere Wahl."