Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ist beigelegt. Die beiden Länder haben sich nach monatelangem Gezerre auf die Versorgung der Ukraine geeinigt. Beide Seiten unterzeichneten gemeinsam mit der EU-Kommission als Vermittlerin am Donnerstagabend in Brüssel entsprechende Vereinbarungen. Darin geht es um die Begleichung alter Schulden und die Bezahlung künftiger Lieferungen – wobei auch europäisches Geld helfen soll. Seit Juni erhält das Land kein russisches Gas mehr.

"Dies ist ein wichtiger Schritt für unsere gemeinsame Energiesicherheit auf dem europäischen Kontinent", sagte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso zu der Einigung. "Es gibt jetzt keinen Grund dafür, dass die Menschen in Europa es in diesem Winter kalt haben." Ein Großteil des Gases, das Europa aus Russland bezieht, fließt durch die Ukraine. Es gab Befürchtungen, das Land könnte diese Gasflüsse im Ernstfall anzapfen.

In der Vereinbarung geht es um die Gaslieferungen bis zum März 2015. Bis dahin werde die Ukraine einen Preis von ungefähr 385 US-Dollar (etwa 305 Euro) je 1000 Kubikmeter russisches Gas zahlen, erklärte EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Russland will nur Gas liefern, das bereits per Vorkasse bezahlt wurde. Die Chefs der Gaskonzerne Gazprom aus Russland und Naftohas aus der Ukraine unterzeichneten einen entsprechenden Vertragszusatz.

Zur Begleichung alter Schulden soll die Ukraine bis Ende des Jahres 3,1 Milliarden US-Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) an den russischen Energieversorger Gazprom zahlen. Offen war bis zuletzt gewesen, wie das quasi insolvente Land seine Rechnungen begleichen kann. Dazu sagte Oettinger, die Ukraine habe "im Haushalt Mittel für den Gaseinkauf bereitgestellt". Zudem verwies Oettinger auf Hilfsprogramme, die die EU und der Internationale Währungsfonds in diesem Jahr bereits beschlossen haben. Weitere Programme könnten vielleicht im nächsten Jahr vereinbart werden. 

Russland verlangt seit dem Sturz des Kreml-nahen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Februar nicht nur mehr Geld für den Rohstoff, sondern auch eine Begleichung der ukrainischen Milliardenschulden für frühere Gaslieferungen. Zudem forderte Russland Garantien der EU für künftige Lieferungen an die Ukraine.

Russland hatte Mitte Juni seine Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt. Vorausgegangen war eine Weigerung der Ukraine, höhere Preise zu akzeptieren. Der Streit hätte auch Folgen für die Gaslieferungen nach Europa haben können. Die EU bezieht etwa ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland. Die Hälfte davon fließt durch Pipelines in der Ukraine. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Ukraine vor gut einer Woche gemahnt, mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Lösung des Konflikts zu übernehmen.