Die Demonstrationen in Hongkong haben auch die Feiern zum chinesischen Nationalfeiertag überschattet. Zehntausende demonstrierten am Mittwoch den sechsten Tag in Folge friedlich. Die Aktivisten fordern mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Unter den Unternehmen und den Vermögenden in der Stadt sind die Proteste aber nicht gern gesehen. Zu groß ist die Angst, die eigenen Geschäfte oder die guten Beziehungen zur chinesischen Führung in Peking könnten darunter leiden. Einige Finanzexperten warnen bereits: Sollte der Konflikt eskalieren, hätte das gravierende Auswirkungen auf die asiatische Finanzmetropole.

Hongkong gehört zu den Regionen der Welt mit einem relativ hohen Pro-Kopf-Einkommen. Es liegt bei knapp 38.000 Dollar und ist damit sechs mal so hoch wie im restlichen China, wie die Infografik zeigt, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Die Metropole liegt damit im internationalen Vergleich auf Rang 25.

Aber die Einkommen in der Stadt sind sehr ungerecht verteilt. So lag die Armutsquote 2013 bei 19,6 Prozent. Zum Vergleich: Im gesamten China liegt sie nur bei 6,1 Prozent. Kritiker halten letzteren Wert jedoch für zu gering und verweisen auf höhere internationale Standards bei der Berechnung von Armut. Aber auch der Gini-Koeffizient – ein gängiges Maß, um die Einkommensverteilung in einem Land zu messen – ist in Hongkong höher als im restlichen China.

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Dass das durchschnittliche Einkommen in Hongkong so hoch ist, liegt vor allem an den chinesischen Superreichen, die in der Finanzmetropole leben, um Steuern zu sparen. Bis heute genießt die Stadt einen Sonderstatus mit eigener Währung. Das Bankgeheimnis ist gesetzlich verankert. Einkünfte werden nur dann besteuert, wenn sie unmittelbar in Hongkong entstanden sind; alle anderen Erträge sind steuerfrei. Das heißt: Wer sein Vermögen in Hongkong anlegt, für den fällt nicht einmal eine Kapitalertragssteuer an. 2012 lebten in Hongkong rund 114.000 Millionäre

Im Januar wurde die Stadt zum sechzehnten Mal in Folge von der amerikanischen Heritage Foundation und dem Wall Street Journal zur freiesten Ökonomie der Welt gekürt. In Hongkong gibt es kaum noch Industrie, die Region ist fast komplett von der Finanzindustrie abhängig. 93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts kommen aus dem Dienstleistungssektor.

Wer nicht in der Finanzbranche oder vielleicht noch im Tourismus tätig ist, hat es schwer, ein Auskommen zu finden. Außer für Hausangestellte existiert kein Mindestlohn. Gleichzeitig sind die Preise für Immobilien und auch die Mieten in der Stadt extrem hoch. Hongkong gilt als eine der teuersten Städte der Welt. Viele Bewohner mussten in den vergangenen Jahren aus dem Stadtzentrum ziehen, nicht wenige haben die Stadt aus Kostengründen ganz verlassen. Und selbst viele traditionelle Geschäfte und Restaurants mussten wegen der hohen Mieten ihre Läden schließen.