Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober den sechsten Monat in Folge verschlechtert. Der Geschäftsklima-Index fiel unerwartet deutlich von 104,7 auf 103,2 Punkte, teilte das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mit.

"Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt.

Angesichts der Verunsicherung durch zahlreiche Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten haben viele Experten ihre Wachstumsprognosen zuletzt deutlich nach unten korrigiert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet in diesem Jahr noch mit einem Plus von 1,3 Prozent und geht für 2015 sogar nur von 0,8 Prozent aus. 

Keine längere Flaute erwartet

In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings unterschiedlich aus. Im Großhandel und bei den Dienstleistern hellte sich die Stimmung auf, im Einzelhandel und im Baugewerbe sowie vor allem in der Industrie trübte sie sich dagegen ein. "In der Industrie gibt es kaum Lichtblicke", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Allein die Exporterwartungen seien gestiegen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dies nur ein Strohfeuer sei. Der Euro hat zuletzt zum Dollar deutlich an Wert verloren, was deutsche Produkte in vielen Ländern attraktiver macht.

Ökonomen gehen unterdessen nicht von einer längeren Flaute aus. "Die Konjunktur durchläuft derzeit eine Schwächephase, die man mit dem Begriff Delle wohl am besten beschreiben kann", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. Stimmungstöter seien geopolitische Risiken, die schleppende Erholung der Euro-Zone, Deflationssorgen und auch die deutsche Wirtschaftspolitik.