Die Bundesregierung geht in ihrer Herbstprognose nur noch von einem Wachstum von 1,2 Prozent für dieses Jahr aus. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stellte die Zahlen in Berlin vor. Die Prognose ist ein deutlicher Rückgang zu den Zahlen, die die Regierung noch im Februar für 2014 vorhergesagt hatte. Damals war von einem BIP-Zuwachs von 1,8 Prozent die Rede.

Im nächsten Jahr sieht es den vorgestellten Schätzungen zufolge nicht besser aus: 2015 soll die gesamte Wirtschaftsleistung nur um 1,3 Prozent statt der bisher erhofften 2,0 Prozent zulegen.

Als Grund für die Korrektur der wirtschaftlichen Einschätzung nannte Gabriel das "außenwirtschaftlich schwierige Fahrwasser", in dem sich die deutsche Wirtschaft derzeit befinde. Geopolitische Krisen sorgten in Deutschland für Verunsicherung und die moderate weltwirtschaftliche Entwicklung schlage sich auf die deutsche Konjunktur nieder. 

Gabriel folgt weitgehend den führenden Forschungsinstituten, die ihre Prognosen vorige Woche wegen der Flaute in der Eurozone, der Ukraine-Krise und anderen Risiken kräftig zurückgenommen hatten. Die Ökonomen gaben der schwarz-roten Koalition allerdings eine Mitschuld daran. Mindestlohn, Mütterrente und die Rente mit 63 hemmten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen stärker als zunächst angenommen.

Gabriel erwartet Beschäftigungsrekord für 2014

Positiv hob Wirtschaftsminister Gabriel bei der Vorstellung des Berichts den weiterhin "robusten Arbeitsmarkt" hervor: Löhne und Beschäftigung würden weiter zunehmen. 2015 werde mit 42,8 Millionen Erwerbstätigen voraussichtlich wieder ein Beschäftigungsrekord erreicht. Die gute Lage am Arbeitsmarkt ermögliche zudem ordentliche Lohnsteigerungen.

Um die Konjunktur insgesamt anzuschieben sprach sich der Vizekanzler für mehr Investitionen aus. "Deutschland muss deutlich mehr in seine Infrastruktur investieren", sagte der SPD-Politiker. "Und die Rahmenbedingungen für private Investitionen müssen verbessert werden." Dazu gehörten ein verlässlicher Umbau des Energiesystems und ein zügiger Ausbau der Breitbandversorgung. "Das sind und bleiben Schwerpunkte meiner Arbeit", sagte der Minister.

Die sogenannte Herbstprojektion der Bundesregierung bildet die Grundlage für die Steuerschätzung im November. Diese wiederum gilt als Orientierungshilfe für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.