Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hält eine Angleichung der Löhne zwischen Ost- und Westdeutschland für falsch. "Jede Vereinheitlichung von Löhnen würde zu Lasten der Beschäftigung gehen", sagte BDA-Präsident Ingo Kramer der Berliner Zeitung. Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall sei es zu früh für eine Angleichung.

Er verwies darauf, dass dies nicht allein ein Ost-West-Thema sei. Es gebe viele regionale Unterschiede in den Tarifverträgen, sagte Kramer. Künftig werde es eher mehr als weniger Differenzierungen geben.

Bsirske will Lohnangleichung durchsetzen

Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, fordert dagegen eine Angleichung der tariflichen Löhne und Arbeitszeiten in Ost und West. Um das Lohngefälle zu verringern, müsse auch die Flucht aus den Tarifverträgen bekämpft werden. Bsirske rief die Beschäftigten in Ostdeutschland auf, sich gewerkschaftlich zu organisieren und ihre Interessen "notfalls mit Streiks durchzusetzen".

Der mittlere Stundenlohn in Ostdeutschland habe zuletzt bei 77 Prozent des Westniveaus gelegen, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Das durchschnittliche Steueraufkommen je Einwohner beträgt laut dem Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2014 im Osten 937 Euro, im Westen dagegen 1.837 Euro. Die Wirtschaftskraft im Osten liegt etwa 30 Prozent unter der des Westens.