Im Prozess gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat die Staatsanwaltschaft drei Jahre und drei Monate Haft wegen schwerer Untreue beantragt. Middelhoff habe Kosten für Flüge über den Handelskonzern abgerechnet, obwohl sie nicht im Interesse KarstadtQuelles und des Nachfolgekonzerns Arcandor gewesen seien, sagte Staatsanwältin Daniela Friese vor dem Essener Landgericht. So sei Middelhoff etwa im eigens bestellten Charterjet nach New York geflogen. Mit einer einzigen New-York-Reise habe er einen Schaden von etwa 91.500 Euro verursacht.  

Die Ankläger aus Bochum werfen Middelhoff vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern Arcandor, zudem auch die Warenhauskette Karstadt gehörte, mit betriebsfremden Kosten in Höhe von etwa 1,1 Millionen Euro belastet zu haben.

Der Manager hat die Vorwürfe in dem im Mai begonnenen Prozess immer wieder vehement zurückgewiesen.

Die Folgen der Arcandor-Pleite 2009 beschäftigen Staatsanwaltschaft und Gerichte nicht nur in Essen: Gegen den ehemaligen Spitzenmanager Middelhoff laufen in der Folge der spektakulären Arcandor-Pleite eine Reihe von Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Bochum untersucht etwa seit Jahren, ob Middelhoff die Arcandor-Insolvenz verschleppt hat. Zudem will die ehemalige Arcandor-Großaktionärin und Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz mit einer Zivilklage unter anderem gegen das Bankhaus Sal. Oppenheim Schadenersatz durchsetzen. Die ehemalige Führungsriege des Bankhauses sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch sitzen zudem vor dem Landgericht Köln auf der Anklagebank.