Seit dem Sommer ist der Ölpreis um rund ein Viertel gefallen. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl aus dem sogenannten Opec-Korb lag zuletzt bei 81,89 Dollar. In dem Korb fasst die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die wichtigsten Rohölsorten seiner Mitgliedstaaten zusammen. Die Entwicklung des Korbpreises seit Jahresbeginn zeigt die obige Grafik, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Die für Europa wichtige Nordseesorte Brent gehört zwar nicht zum Korb, aber auch sie verbilligt sich seit Wochen: Am Mittwoch kostete ein Fass Brent-Öl so wenig wie zuletzt Ende November 2010. Ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI kostet derzeit so wenig wie zuletzt im Juni 2012.

Schuld am Preisverfall ist ein globales Überangebot. Der wichtigste Treiber sind die USA – sie sind Auslöser und Nutznießer zugleich. Mit ihrem Schiefergas- und Ölboom sorgen die USA für ein Überangebot an den Märkten. Zugleich macht der Preissturz das weiter benötigte Rohöl für sie und ihre europäischen Verbündeten deutlich billiger.

In den USA, dem größten Ölverbraucher der Welt, wird dank der umstrittenen Fracking-Fördermethode ein großer Teil des benötigten Rohstoffs mittlerweile selbst produziert. In ihrem September-Bericht schätzt die Weltenergiebehörde IEA, dass in den USA ab Ende 2015 täglich zwölf Millionen Barrel gefördert werden. Damit überholen die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien, den größten Produzenten der Opec. Zum Vergleich: Russlands Ölproduktion wird von Analysten mit knapp elf Millionen Barrel veranschlagt.

Russland leidet

Verlierer sind Gegner des Westens. Insbesondere Russland leidet unter den schrumpfenden Erlösen aus dem Ölgeschäft, denn der russische Staat erzielt rund 40 Prozent seiner Einnahmen aus dem Ölexport. Der Ölpreis liegt längst deutlich unter den durchschnittlich 104 Dollar je Fass, mit denen die Regierung in Moskau in ihrem Haushaltsplan für 2014 rechnet. Die Einnahmeeinbußen schüren an den Märkten bereits die Furcht vor einem Zahlungsausfall Russlands. Im Westen hoffen einige darauf, dass der ökonomische Druck über den Ölpreis den Kreml zu Zugeständnissen in der Ukraine-Politik bewegen könnte.

Einige Analysten vermuten auch, dass der Terrormiliz des "Islamischen Staates" (IS) der Ölpreisverfall schadet. Der IS hat eine Reihe von Ölfeldern in Syrien und dem Irak erobert und finanziert sich teils durch Verkäufe auf dem Schwarzmarkt.

Der zweite Faktor neben dem großen Angebot ist einem weltweit sinkende Nachfrage nach Öl. Angesichts der sich abschwächenden Weltwirtschaft hatte die IEA am Dienstag ihre Prognose für die Ölnachfrage spürbar gesenkt. Die Opec sendet bisher aber keine Signale, die Preise durch eine Förderkürzung zu stützen. Die Regierung Saudi-Arabiens ließ erst vor wenigen Tagen wissen, man könne auch mit einem Ölpreis von 80 Dollar leben. Analysten rechnen damit, dass der Preis weiter sinkt.