An den einen Fall von unfassbarem Leichtsinn erinnert sich Petr Konopisky noch genau. "Ein ideales Zielobjekt für Diebe", murmelt er und erzählt von der Kirche, gelegen irgendwo auf dem böhmischen Land, der Eingang von dichtem Gebüsch gegen Blicke geschützt. In der Kirche steht eine wertvolle Madonnenfigur, einige Hundert Jahre alt, ein Meisterwerk des Barock. "Und stellen Sie sich vor: Die Holztüre war morsch – und sie hatte nicht einmal ein Schloss. Der Pfarrer hat da nur einen Stein hingelegt, damit der Wind sie nicht aufweht."

Es sind Geschichten wie diese, die in Tschechien zu Hunderten passiert sind. Petr Konopisky ist Polizist, auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Akten von etlichen Fällen, die alle nach dem gleichen Muster verlaufen sind. Wertvolle Kunstwerke, ungeschützte Kirchen, reiche Sammler im Ausland – ein verheerender Dreiklang ist das, dem vor allem in den 1990er Jahren schiere Massen an barocken und gotischen Statuen und Altarbildern zum Opfer gefallen sind. "Wir hatten den Pfarrer noch gewarnt", erinnert sich Petr Konopisky an den einen Fall, der ihm bis heute die Haare zu Berge stehen lässt. "Aber es war zu spät: Ein paar Tage danach war die Madonna verschwunden. Sie ist in der internationalen Fahndung, aber wir finden sie einfach nicht."

Konopisky ist gemeinsam mit seinem Kollegen Petr Kral dafür zuständig, die Schätze wieder zurückzuholen. Sie sitzen im Prager Polizeipräsidium, einem grauen Kasten aus kommunistischer Zeit, und halten Kontakt zu ihren Kollegen im Ausland. "Jetzt tauchen auf den Weltmärkten viele Objekte wieder auf, die in den 1990er Jahren hier gestohlen worden sind", sagen sie. Die Halter gehen davon aus, dass der Diebstahl verjährt ist und sie sich jetzt aus der Deckung wagen können.  

Ein Pfarrer für zehn Kirchen

So hoch wie derzeit war die Erfolgsquote der Fahnder noch nie, etwa 30 Objekte holen sie pro Jahr wieder nach Tschechien zurück. Im Vergleich zu den Verwüstungen in der Nach-Wende-Zeit ist das allerdings eine beinahe verschwindend geringe Zahl – knapp 11.000 Diebstähle hat die Polizei zwischen 1990 und 2013 registriert, die mit Abstand größte Zahl davon geschah in den 1990er Jahren.

Die Kirchengemeinden hatten so gut wie keine Chance, sich vor den systematischen Plünderungen zu schützen: Geld gab es nicht, viele Kapellen und Kirchen waren baufällig, die Gemeinden nach den Kirchenverfolgungen in der sozialistischen Zeit zusammengeschrumpft – nur die sakralen Schätze, die kostbaren Bilder und Statuen aus vergangenen Jahrhunderten, haben den Kommunismus weitgehend unbeschadet überstanden. In den Kirchen, wo Regen durch die Dächer tropfte und Wind durch die Fensterhöhlen blies, waren sie leichte Beute für Diebe.

"Das Risiko war minimal", sagt der Polizist Petr Kral und zuckt mit den Schultern. "Oft kam sogar noch erschwerend hinzu, dass sich ein Pfarrer um zehn Kirchen kümmern musste – dass da etwas fehlt, hat er manchmal erst zu Ostern oder zu Weihnachten gemerkt." Eine Fahndung ist mit solch monatelanger Verspätung komplett zwecklos. Hätte man die Kirchen nicht besser schützen müssen? Konopisky und Kral winken ab: "Selbst wenn es Geld für neue Türen und Fenster gegeben hätte – dann wären die Diebe eben durchs Dach gekommen."