In Berlin ist an diesem späten Oktobertag ein Aufschrei zu hören. "Wir haben alles für die Flüchtlinge gegeben, aber jetzt brauchen wir selbst Hilfe", sagt der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam. Der Regierungschef spricht nicht nur für sein Land, sondern stellvertretend für mehr als 35 Staaten, die in der Hauptstadt zu einer Flüchtlingskonferenz zusammengekommen sind.

 

Nach dreieinhalb Jahren Bürgerkrieg in Syrien, nach Hundertausenden Toten und Millionen Flüchtlingen sind auch viele Anrainerstaaten am Ende ihrer Kräfte. Sie fordern mehr internationale Hilfe, um den Zusammenbruch ihrer Versorgungssysteme zu verhindern. Deutschland, verspricht Außenminister Frank-Walter Steinmeier, gibt zusätzlich 500 Millionen Euro.

Ein Blick auf die wirtschaftliche Situation in den wichtigsten Aufnahmeländern zeigt: Manche Staaten sind tatsächlich an die Grenze des Machbaren gekommen. Andere hätten durchaus noch Möglichkeiten, in wieder anderen verhindern Bürokratie und Konkurrenzdenken eine Integration der Verzweifelten.

Auf den ersten Blick mag es übertrieben rational anmuten, sich angesichts des Leids in den Camps mit Wirtschaftsdaten zu beschäftigen. Aber die Frage, was für die Flüchtlinge getan werden kann, wird nicht nur durch Willen oder Unwillen beantwortet. Es geht auch immer um die Frage, wer überhaupt die Kraft und das Geld hat, um zu helfen. Denn wenn die eigene Bevölkerung wirtschaftlich leidet, sinkt meist die Bereitschaft rapide, für mittellose Flüchtlinge den Grenzbaum zu öffnen.