Seit Thomas Pikettys Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" wird wieder intensiv über Einkommens- und Vermögensungleichheit und deren Folgen diskutiert. Studien haben gezeigt, dass in kaum einem Land in der EU die Vermögen in der Gesellschaft ungleicher verteilt sind als in Deutschland.

Zugleich hat die Einkommensungleichheit in Deutschland laut einer OECD-Studie in den vergangenen Jahren kräftig zugenommen. Vor allem die unteren Einkommen sind real kaum gestiegen. Das zeigt sich am sogenannten Gini-Koeffizient. Je höher der Wert, desto ungleicher die Verteilung. In der ersten Hälfte der 2000er Jahre stieg der Gini-Koeffizient für Deutschland kräftig. In der Finanzmarktkrise ging er leicht zurück, weil wegen sinkenden Renditen Kapitaleinkommen geringer ausfielen. Seit 2012 steigt der Gini-Koeffizient aber wieder.

Die Folgen zeigen sich auch in der Entwicklung der Sparquoten, wie das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ausgerechnet hat. Dabei geht es um den Anteil der Haushaltseinkommen, der in die Vermögensbildung fließt. Bei Erwerbstätigen mit hohem Einkommen war die Sparquote schon immer höher als bei denen mit geringem Einkommen, weil diese den größten Teil ihrer verfügbaren Summe für Miete und Grundkonsum ausgeben müssen und wenig zum Sparen übrig bleibt.

Doch in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Sparquoten von oberen und unteren Einkommensgruppen auseinander entwickelt. Das zeigt die Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Während bei dem Viertel der Erwerbstätigen mit dem niedrigsten Einkommen die Sparquote leicht sinkt, ist sie im gleichen Zeitraum bei Gutverdienern gestiegen. Nur in der Wirtschaftskrise 2009/2010 gab es eine kleine Delle.

Das IMK warnt, dass eine wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen negative Folgen für die Gesamtwirtschaft hat: Sie führe zu größerer ökonomischer Instabilität. Eine Reduzierung der Ungleichheit senke somit auch die Gefahr zukünftiger Wirtschaftskrisen, schreiben die Autoren in einer aktuellen Studie. Sie empfehlen, die Vermögenssteuer wieder einzuführen und den Spitzensteuersatz anzuheben. Außerdem solle die Abgeltungssteuer von pauschal 25 Prozent abgeschafft und Kapitaleinkünfte wieder wie zuvor mit unterschiedlichen Sätzen besteuert werden.