Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, verbreitet Zuversicht, dass der Tarifvertragsstreit mit der Deutschen Bahn in etwa sechs Wochen befriedet ist. "Sicherlich ist eine Einigung möglich", dafür müsse man aber endlich über Inhalte sprechen, forderte Weselsky im ZDF. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sei kompromissbereit.

Er sei sich bewusst, dass bei einer Forderung von fünf Prozent mehr Lohn solch ein Gehaltsplus am Ende der Tarifgespräche nicht herauskomme, sagte er.

Der Tarifstreit zwischen GDL und der Deutschen Bahn dauert bereits seit Monaten an. Am Mittwoch hatten die Lokführer den längsten Bahnstreik der Geschichte begonnen, der bis Montag dauern sollte. In zwei richterlichen Entscheidungen bekam die GDL Recht. Nach der Gerichtsverhandlung in Frankfurt willigte die GDL ein, den Streik am Samstagabend zu beenden – auch wegen des bevorstehenden Mauerfall-Jahrestages. Einen Vergleichsvorschlag des Richters lehnte Weselsky jedoch ab, die Bahn hätte ihn angenommen.

Hauptstreitpunkt ist die Forderung der Lokführergewerkschaft, auch für das Zugpersonal Tarifverhandlungen zu führen. Dieses ist mehrheitlich in der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) organisiert und wird bisher von dieser vertreten. Die Bahn will deshalb zunächst die Spielregeln künftiger Tarifgespräche klären. An diesem Punkt waren Gespräche vor einer Woche gescheitert.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, warnte vor weiteren Streiks. Als Grund dafür nannte er die mangelnde Kompromissbereitschaft Weselskys. "Ich befürchte, wenn diese Haltung weiter so besteht, wird es zu weiteren Streiks kommen", sagte Kirchner im Deutschlandfunk. Der EVG-Chef forderte die GDL in Tariffragen erneut zu einer "fairen Kooperation" auf.

Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte der Bild am Sonntag gesagt, er könne nicht garantieren, dass der Tarifstreit bis Weihnachten gelöst sei. Er rief die GDL zu einer raschen Wiederaufnahme der Gespräche auf. Bisher ist kein neuer Termin für ein Treffen beider Seiten bekannt.