Es ist eine Deutschlandkarte, die dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) sicher nicht gefallen wird. Zu finden ist sie im von den vier Strombetreibern Deutschlands überarbeiteten Netzentwicklungsplan 2014. Das Wortungetüm bezeichnet eine grobe Skizze, welche Stromleitungen Deutschland in den kommenden zehn Jahren unbedingt benötigt, damit es die Energiewende schafft.

Am heutigen Dienstag präsentieren Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW eine überarbeitete Version, die jetzt die Bundesnetzagentur genehmigen muss. Die alte Version vom Frühjahr hatte noch nicht die jüngsten Entscheidungen der Politik beachtet: den Umbau der Ökostromförderung, der den Ausbau von Wind- und Solarparks in Deutschland regional verschieben wird.

Das Ergebnis: 95 Prozent der bisherigen Planungen seien bestätigt worden, brüsten sich die Netzbetreiber. Hier und da könne auf den Bau einer neuen Leitung verzichtet werden. Insgesamt sieht die neue Skizze den Wegfall von fünf Stromleitungen vor. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch neue Projekte: Entlang der mecklenburgischen Ostseeküste muss etwa nun wegen des kräftigen Windausbaus in der Region eine Leitung verstärkt werden.

Zu den großen vier Nord-Süd-Trassen, die Deutschland künftig durchziehen sollen, gibt es aus Sicht der Netzbetreiber keine Alternative. Zwei von ihnen sollen auch weiterhin durch Bayern führen: Die 800 Kilometer lange Suedlink-Leitung zwischen Hamburg und dem bayerischen AKW-Standort Grafenrheinfeld. Und die Südost-Trasse zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern.

Gegen diese wehrt sich Seehofer seit Monaten, mit immer neuen Argumenten. Mal geht es um die wunderschöne Landschaft Bayerns, die nicht durch neue Leitungen verschandelt werden dürfe. Mal solle Strom aus bayrischen Gaskraftwerken ein autarkes Bayern versorgen – und der Windstrom aus Norddeutschland damit ganz überflüssig werden.

Doch aus den Kreisen der Energieversorger heißt es, man sehe "keine Alternative" zu den beiden Trassen. Im Gegenteil: Die große Stromleitung zwischen Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt  und Bayern soll im Norden sogar um rund 110 Kilometer verlängert werden, um den dort verstärkt anfallenden Windstrom abzutransportieren. Zuvor begann die Trasse mitten in einem Kohlerevier, was viele Bürger als Skandal empfanden. Nun startet die Leitung weiter nördlich – auch, um die Trassengegner zu besänftigen. Im Süden wird sie nicht mehr bei Augsburg enden, sondern rund 40 Kilometer weiter westlich in der Nähe des Atomkraftwerks Gundremmingen.

Bayern startet Energiedialog

Also doch weiterhin Megatrassen durch Bayern. Entsprechend verdruckst sind die Reaktionen der Politiker. In Bayern hat Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) just am Montag den Energiedialog gestartet, eine mehrere Wochen dauernde Veranstaltungsreihe, in der Bayern noch einmal sämtliche Aspekte der Energiewende diskutieren will. Vier Arbeitsgruppen sollen ein Energieprogramm erarbeiten, darunter die AG Versorgungssicherheit. "Bayern wird zum Netzentwicklungsplan im Frühjahr 2015 eine Stellungnahme abgeben, die durch den jetzt anstehenden Energiedialog entscheidend geprägt sein wird", sagt Aigner. Die Bundesregierung habe zugesagt, die bayerische Stellungnahme deutlich zu berücksichtigen.