Vertrauliche Tarifgespräche zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sind am Wochenende gescheitert. Das teilte die Deutsche Bahn mit. Die GDL-Spitze habe die Gespräche "kurz vor Unterzeichnung einer Lösung" völlig überraschend platzen lassen, hieß es. Zuvor hätten beide Seiten ein neues Verfahren entwickelt. Dadurch sollte die GDL laut Bahn einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten. Gleichzeitig sollte die Regelung die Kollision von zwei unterschiedlichen Tarifverträgen für eine Berufsgruppe vermeiden.

Bis Montagnachmittag will die GDL einem Bericht zufolge über neue Streiks entscheiden. Wie die Bild-Zeitung in ihrer Montagsausgabe unter Berufung auf Gewerkschaftskreise berichtete, ist diesmal auch ein Arbeitskampf im Umfang von 91 Stunden im Gespräch – das wäre ein längerer Zeitraum als im Oktober. Bereits ab Dienstag könnte gestreikt werden.

Dem Bericht zufolge kamen der GDL-Hauptvorstand und die Tarifkommission am Sonntagnachmittag zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Bei der Sitzung der GDL-Gremien geht es den Informationen der Zeitung zufolge unter anderem um die Bewertung des jüngsten Tarifangebots der Bahn. Demnach legte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber in einem Gespräch mit GDL-Chef Claus Weselsky am vergangenen Freitag weitere Details vor. Darüber müsse nun beraten werden, hieß es. 

Mitte Oktober hatte ein rund 60-stündiger Streik den Bahnverkehr in ganz Deutschland teilweise lahmgelegt. Danach kündigte die GDL eine Streikpause bis zum 2. November an, um dem Unternehmen Zeit für Verhandlungen zu geben.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.