In China scheinen die Zeiten des Wirtschaftsbooms vorbei zu sein: Seit einigen Jahren pendelt sich die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts bei etwas mehr als sieben Prozent ein, wie unsere Grafik zeigt, die das Statistik-Portal Statista für ZEIT ONLINE produziert hat. Noch vor zehn Jahren wuchs die Wirtschaft im zweistelligen Bereich, im Jahr 2007 lag das Wachstum bei sogar 14,2 Prozent.

Handelt es sich nur um eine Delle in der Wachstumskurve? Vor Beginn des Treffens der asiatisch-pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft Apec dämpfte Chinas Präsident Xi Jinping die Erwartungen. Wachstumsraten in diesem Bereich würden zur neuen Normalität gehören, sagte Xi laut Agentur Bloomberg. Auch der Westen – und insbesondere Europa – muss sich also darauf einstellen, dass es keine chinesischen Konjunkturpakete geben wird, von denen er profitiert. 

Das abgeschwächte Wachstum ist auch ein Zeichen dafür, wie China versucht, seine Wirtschaft umzubauen. Bislang war die Wirtschaft extrem exportabhängig, der Ruf von China als "Werkbank der Welt" eilte dem Land voraus. Doch eine solche Positionierung ist fatal, denn am Ende schadet das Land sich selbst. Von der "Mittleren Einkommenfalle" sprechen Ökonomen. Ein Land boomt, weil es sich dank niedriger Löhne Aufträge sichert. Doch irgendwann fällt dieser Lohnvorteil weg, da die Arbeiter selbst höhere Löhne einfordern und die Einkommen steigen. Hält dann die Produktivität nicht mit, steckt das Land in der Wachstumsfalle.      

Nun soll die Binnennachfrage gestärkt werden, das aber erweist sich als durchaus kompliziert und mühselig. Die OECD hat China bereits im vergangenen Jahr geraten, zentrale Sektoren zu reformieren. Dazu gehört unter anderem der Aufbau eines umfassenden Sozialversicherungssystems, eine bessere Städteplanung und die Liberalisierung der Finanzmärkte. Wie passend, dass China am Montag bekannt gab, seine Aktienmärkte stärker für ausländische Anleger zu öffnen: Die Börsen in Hongkong und Shanghai würden ab Mitte November eine grenzübergreifende Kooperation beginnen. Bislang haben Investoren aus dem Ausland kaum Chance, an den chinesischen Börsen mitzumischen.