Die Ölpreise sind vor dem Opec-Treffen in Wien erneut stark gesunken. Die Preise für Rohöl der Nordseesorte Brent und für US-Rohöl rutschten jeweils auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren.

Im Laufe des Donnerstags wird die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf ihrem Treffen in Wien über die künftigen Fördermengen beraten. Die zwölf Mitgliedstaaten müssen entscheiden, ob sie die Ölförderung drosseln wollen.

Mitglieder wie Oman, Algerien, Iran, Irak und Venezuela kommen mit den aktuell erzielten Einnahmen nicht aus. Ihr Wunsch, die Fördermenge zu senken, um den Preis wieder zu steigern, wird aber vom mächtigsten Opec-Land Saudi-Arabien bisher nicht geteilt. Wer innerhalb der Opec die größten Ölreserven besitzt, zeigt unsere Infografik, erstellt vom Portal Statista für ZEIT ONLINE. Nur Venezuela verfügt über mehr Öl als Saudi-Arabien. Doch die staatliche venezolanische Erdölfirma PDVSA ist so marode, dass das Land vor einigen Wochen sogar Öl importieren musste, zum ersten Mal in seiner Geschichte.

Die Opec fördert rund ein Drittel des Öls auf dem Weltmarkt. Die USA und besonders Russland, ebenfalls große Ölförderländer, stehen wegen des niedrigen Ölpreises auch unter Druck, sind aber nicht in der Opec.

Die Mitgliedstaaten seien zu der Übereinkunft gekommen, in den Gesprächen in Wien keine Drosselung zu beschließen, sagte ein Delegierter aus der Golf-Region. Der saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi hatte bereits vor dem Treffen gesagt, dass sich der Preis "irgendwann von selbst" stabilisieren werde und damit eine Kürzung nach Ansicht von Branchenkennern faktisch ausgeschlossen.    

Seit Juni sind die Preise für Rohöl durch ein Überangebot auf dem Weltmarkt um 30 Prozent gefallen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent mit Lieferung im Januar 76,44 US-Dollar und damit 1,31 Dollar weniger als am Vortag. In der vergangenen Nacht erreichte der Brent-Preis bei 76,28 Dollar den tiefsten Stand seit September 2010.

Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich beim Preis für US-Öl der Sorte WTI. Diese Sorte verbilligte sich zuletzt um 1,00 Dollar auf 72,69 Dollar. Hier wurde in der vergangenen Nacht bei 72,61 Dollar ebenfalls der tiefste Stand seit September 2010 erreicht. Seit dem Sommer sind beide Ölpreise etwa 30 Prozent abgerutscht.