Die Lokführer-Gewerkschaft GDL wehrt sich gegen die Kritik an dem angekündigten neuen Streik bei der Deutschen Bahn. "Plötzlich ist ein legitimer, rechtmäßiger Streik das Schlimmste, was überhaupt passieren kann", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky im Deutschlandfunk. Gegen ihn persönlich und "den ehrenwerten Beruf des Lokführers" laufe eine Hetzkampagne. "Wir sind in die Nähe von Terroristen gestellt worden. Und das haben weder Lokführer noch Zugbegleiter verdient", sagte Weselsky.

Es gehe hier auch nicht um "einen Egotrip" des Vorsitzenden, sagte der GDL-Chef. "Wenn Sie eine einstimmige Entscheidung eines großen Gremiums von 30 Leuten bekommen, dann machen die das nicht, weil Sie sie unter Drogen setzen, sondern weil die bereit sind, in eine Auseinandersetzung zu gehen." Einen konkreten Zeitpunkt für einen weiteren Streik nannte Weselsky weiterhin nicht.

Der Deutsche Beamtenbund (DBB) stellt sich im Tarifstreit der Deutschen Bahn hinter die GDL. Es sei "völlig nachvollziehbar", dass der GDL-Chef Weselsky das jüngste Angebot der Bahn nicht unterschrieben habe, sagte der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Bahn fordere darin faktisch "eine Art Unterwerfungserklärung" von der Gewerkschaft. Der DBB als Dachverband werde seine finanzielle Streikunterstützung für die GDL daher fortsetzen.

Die Lokführer-Gewerkschaft erhält Unterstützung aus einem Streikfonds des Beamtenbundes, dem die GDL neben weiteren 42 Einzelgewerkschaften angehört. Im Oktober noch hatte der DBB-Vorsitzende mit der Aussage überrascht, dass es "keinen Automatismus" bei den Zahlungen gebe und jeder Antrag erst geprüft werden müsse. Die jüngsten Entwicklungen im Tarifstreit sind für Dauderstädt nun offenbar nachvollziehbar.

Fahrgastverband kritisiert die GDL

Nach Darstellung der Bahn war am Wochenende eine Einigung im Tarifstreit in greifbare Nähe gerückt. Doch dann habe die GDL die Gespräche "kurz vor Unterzeichnung einer Lösung für den Tarifkonflikt völlig überraschend platzen lassen", hieß es. Die GDL teilte hingegen mit, die Bahn habe versucht, der Gewerkschaft "die Nichtzuständigkeit für einen Teil ihrer Mitglieder" und einen Verzicht auf das Streikrecht zu diktieren.  

Über die eigentlichen Tarifforderungen – fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit – sei bislang gar nicht mit der Bahn verhandelt worden, sagte Weselsky am Montagabend im ZDF.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die GDL wegen ihrer erneuten Streikandrohung kritisiert. "Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer", sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der Rheinischen Post. Vor allem Berufstätige spürten die Folgen unmittelbar, wenn sie nicht oder verspätet zu wichtigen Terminen kämen.

"Die GDL sägt am eigenen Ast"

Außerdem schädigten die Streiks die Bahn auch langfristig, weil ein Teil der Fahrgäste, die wegen der Zugausfälle auf Fernbusse umsteigen müssten, als Kunden dauerhaft verloren ginge. Auch im Güterverkehr drohe ein dauerhafter Umsatzverlust, weil die Logistik-Branche ihre auf Lkw umgestellten Transporte nicht so einfach wieder ändern werde. "Die GDL sägt am eigenen Ast", sagte Aschoff.

Kern des Tarifkonflikts ist, dass die GDL nicht allein für die 20.000 Lokführer zuständig sein will, sondern auch für etwa 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Bisher beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Vertretung dieser Gruppe für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte vor Kurzem einen Gesetzentwurf vorgestellt, mit dem Tarifkämpfe wie aktuell bei der Bahn eingedämmt werden sollen. Nun will sich EVG auf einem Kleinen Gewerkschaftstag mit dem Vorschlag von Nahles beschäftigen. Der Bundesvorstand habe dem Gewerkschaftstag bereits empfohlen, den Gesetzesentwurf zur Tarifeinheit abzulehnen, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. "Für den Bereich, für den wir tarifpolitisch Verantwortung tragen, sorgt das Gesetz eher für schärfere Auseinandersetzungen, statt diese zu befrieden."