Was in beiden Studien nicht klar zum Ausdruck kommt, ist, dass die Art der Preisbereinigung eine andere ist als die, die üblicherweise zur Berechnung des realen BIP verwendet wird. Würde das BIP in der üblichen Weise preisbereinigt, fiele der Gesamteffekt sehr viel geringer aus: Gegenüber der Situation ohne Freihandelsabkommen wäre das reale BIP pro Kopf in der EU und in Deutschland am Ende des Anpassungszeitraums von 10 bis 20 Jahren etwa 1,7 Prozent höher, für die USA läge der Zuwachs bei 2,2 Prozent. Verteilt man diesen Langfristeffekt über einen Anpassungszeitraum von 15 Jahren, ergibt sich ein zusätzliches durchschnittliches Wachstum von etwa 0,1 Prozentpunkten pro Jahr. Das ist  ein winziger Effekt.

Bemerkenswert ist, dass beide ifo-Studien identische Wachstumseffekte erwarten, aber die Auswirkungen für die Beschäftigung vollkommen unterschiedlich beziffern. So ist der Beschäftigungseffekt in der Studie für die Bertelsmann Stiftung für die EU 12-mal, für die USA 16-mal und für Deutschland 7-mal so groß wie in der Studie für das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).

Die Unterschiede beruhen maßgeblich darauf, dass der Arbeitsmarkt unterschiedlich modelliert wird. In der BMWi-Studie wird ein Modell mit unterschiedlich produktiven Firmen verwendet. In diesem Fall beruhen die Beschäftigungseffekte maßgeblich auf einer Verlagerung von Beschäftigung (Reallokation) von weniger produktiven Firmen hin zu produktiveren Firmen. Der Beschäftigungseffekt ist folglich der Saldo aus Beschäftigungsabbau und -aufbau.

Diesen Wirkungskanal gibt es in der Bertelsmann-Studie nicht, was sehr verwunderlich ist, weil die Autoren in der BMWi-Studie explizit auf die Bedeutung von Reallokation hinweisen: "Andere Studien vernachlässigen fälschlicherweise den Reallokationseffekt und interpretieren zusätzliche Beschäftigung im Exportsektor als gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsgewinne." Das legt jedoch den Schluss nahe, dass die deutlich größeren Beschäftigungseffekte in der Bertelsmann-Studie auf genau diesem Fehler beruhen.

Die BMWi-Studie rechnet für Deutschland mit insgesamt 25.220 neuen Jobs, in der Bertelsmann-Studie sind es insgesamt 181.092. Bei diesen Zahlen handelt es sich wohlgemerkt wieder um den Gesamteffekt. Bezogen aufs Jahr wären es im ersten Fall weniger als 1.700 neue Arbeitsplätze. Im zweiten Fall wären es etwa 12.000 neue Jobs, was einem zusätzlichen durchschnittlichen Anstieg der Beschäftigung von 0,03 Prozentpunkten pro Jahr entspricht und verschwindend gering ist.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass selbst unter außerordentlich optimistischen Annahmen die erwarteten Wachstums- und Beschäftigungseffekte winzig sind. Diese magere Bilanz dürfte sich noch deutlich verschlechtern, wenn man – was die Studien nicht tun – die Kosten einer TTIP berücksichtigen würde.

Der Text ist die überarbeitete Fassung eines Beitrags für die Friedrich-Ebert-Stiftung, erschienen in der Reihe WiSo direkt.