Das Verrückte ist: Dieses neue, alte E.on, welches die gesamten Schulden und zwei Drittel der Belegschaft tragen soll, wird nach Ansicht von Teyssen seinen Aktionären "attraktive Erträge mit geringer Volatilität und klaren Wachstumschancen" bieten. War da nicht etwas? Bislang galt doch gerade das Geschäft mit den Erneuerbaren als riskant.

Nach Ansicht von Teyssen wird künftig das Gegenteil der Fall sein: Das Geschäft sei vor allem staatlich reguliert oder zumindest quasi-reguliert. Es gibt eine Ökostromumlage und staatlich regulierte Netzentgelte. Plötzlich preist E.on deshalb die Erneuerbaren als "solide Basis" und nicht mehr sein klassisches Geschäft mit grundlastfähigen, fossilen Kraftwerken. In der neuen Energiewelt gelten nun Kohle, Gas und Atom als riskant. Es ist ein grundsätzlicher Mentalitätswandel, den E.on jetzt beginnen will: Weg von einfach zu steuernden Großeinheiten, hin zu dezentralen Strukturen, nahe am Kunden.

Aber was passiert mit den Altlasten? Als Bad Bank bezeichnen bereits die ersten Analysten die neue Gesellschaft, in der E.on seine Geschäfte aus den fossilen Kraftwerken und der Atomenergie, aus der Gas- und Ölproduktion und den Gasspeichern bündeln will. Damit dieses noch namenslose Unternehmen attraktiv für Anleger wird – schließlich soll es an die Börse gebracht werden, und E.on will dann den Mehrheitsanteil später verkaufen – soll es schuldenfrei sein. Und E.on beruhigt: Die neue Gesellschaft werde mit rund 14,5 Milliarden Euro ausgestattet werden, um auch die Rückstellungen für den Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls zu finanzieren.

E.on preist das ehemalige Geschäftsfeld an

Teyssen wirbt vehement für die neue Gesellschaft. Aber eine Frage bleibt: Wer soll hier investieren? Wenn sich mit den konventionellen Energien mittel- und langfristig kein Geld mehr verdienen lässt, warum sollten dann Banken, Investmentfonds oder andere Unternehmen einsteigen, geschweige denn Privatanleger? E.on verweist auf die vielfältigen Chancen: die Einführung von sogenannten Kapazitätsmärkten, also Prämien für Stromkonzerne, damit sie für den Notfall fossile Kraftwerke vorhalten. Auch der Markt mit CO2-Verschmutzungsrechten werde sicherlich revitalisiert. Und die Rohstoffmärkte würden sich erholen.

Ob all das wirklich geschieht, hängt jedoch von der Politik ab. Und die drückt sich seit Langem um einen klaren Ausstiegsfahrplan für die fossilen Energien. Für die Kernenergie gibt es zumindest für Deutschland klare Ansagen: Im Jahr 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Auch für die Erneuerbaren Energien gibt es klare Ausbaupfade, konkret legt die Bundesregierung sogar Jahr für Jahr fest, mit wie vielen zusätzlich gebauten Solaranlagen sie rechnet.

Für Kohle und Gas gibt es solche Leitplanken indes nicht. Und das kann mittelfristig dazu führen, dass auch weiterhin nicht in die nötigen Gaskraftwerke investiert wird, die man zum Aussteuern der Erneuerbaren so dringend braucht. Noch steht die Versorgungssicherheit, Deutschland produziert wegen der zahlreichen Überkapazitäten sogar aktuell eine Stromschwemme in Europa. Aber es ist eine riskante Strategie der Politik, keinen fossilen Ausstiegsfahrplan zu treffen, denn am Ende ist diese Energiewende ohne Gaskraftwerke mittelfristig nicht zu stemmen.

E.on hat sich entschieden, die Verantwortung für die alte Energiewelt nicht übernehmen zu wollen. Jetzt liegt es an der Politik, die Bedingungen so attraktiv zu machen, dass die Energiewendeziele erreicht werden können.