Für die Welt überraschend hat Russlands Präsident Wladimir Putin das Aus für das Pipeline-Projekt South Stream verkündet – und stattdessen die Türkei ins Spiel gebracht: An der türkischen Küste könnte ein neuer Umschlagplatz für russisches Gas entstehen, so Putin.

Schon jetzt ist Russland der wichtigste Handelspartner der Türkei. Aus keinem anderen Land importiert die Republik in Vorderasien so viele Waren. Das zeigt unsere Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Dazu gehört auch Erdgas. Es gelangt vor allem über die Bluestream-Pipeline in die Türkei.

Putin macht also weiter Politik mit Gas. Schon seit Monaten geht er auf Roadshow und bietet russisches Gas in anderen Ländern an, etwa China, um den europäischen Hauptstädten zu zeigen, wie unabhängig Moskau ist. Nun kommt auch die Türkei ins Spiel. Putin hat ihr für kommendes Jahr einen Gaspreisrabatt von sechs Prozent in Aussicht gestellt. Der türkische Energieminister Taner Yıldız will den russischen Vorschlag prüfen. Er sagte bereits, ein Umschlagplatz für Erdgas würde dem türkischen Ziel helfen, zu einem weltweit bedeutenden Energie-Knotenpunkt zu werden. Es sei aber noch zu früh, um in der Angelegenheit "ein letztes Wort zu verkünden", so Yıldız.

Für die Türkei sind die Handelsverflechtungen ein politischer Balanceakt. Auf der einen Seite ist das Land von russischer Energie abhängig. Auf der anderen Seite ist die EU ein bedeutender Handelspartner – und hier vor allem Deutschland. In kein anderes Land exportiert die Türkei mehr Waren wie in die Bundesrepublik, vor allem Kleidung, Maschinen und Kfz-Teile.