Alexis Tsipras spricht von einem "historischen Tag". Der Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) und griechischer Oppositionsführer hat sein Ziel erreicht: Erfolgreich blockierte er am Montag im Parlament die Wahl eines neuen Staatspräsidenten. Damit werden nun Neuwahlen fällig. So schreibt es die Verfassung vor. Am 25. Januar gehen die Griechen zu den Urnen.

Die Griechen könnten sich nun guten Gewissens "kalí chroniá" wünschen, ein gutes Neues Jahr, frohlockt Tsipras. Denn das Spar- und Reformprogramm sei schon "in wenigen Tagen Vergangenheit". Aber viele Griechinnen und Griechen gehen mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr. "Die Wahl, die keiner wollte" titelte am Dienstag Ta Nea, die größte Zeitung des Landes. Damit gibt das Blatt die Stimmung der Mehrheit der Griechinnen und Griechen ziemlich treffend wieder.

Gewiss: Die meisten Menschen sind zermürbt nach sechs Jahren Rezession. Viele sind mutlos, andere wütend. Die Krise hat die Arbeitslosenquote von acht auf 26 Prozent steigen lassen. Auch wer noch einen Job hat, muss sich einschränken: Die Einkommen sind seit 2010 durchschnittlich um ein Drittel gefallen. 37 Prozent der Menschen leben an der Armutsgrenze. Aber Wahlen, zum dritten Mal in drei Jahren? 58,2 Prozent wollen keine vorzeitigen Wahlen, ermittelten die Demoskopen des Instituts Kapa Research kurz vor Weihnachten.

Trotzdem kann es Alexis Tsipras kaum erwarten, in die Villa Maximos einzuziehen, den Amtssitz des Ministerpräsidenten an der Athener Herodes-Attikus-Straße, wo jetzt noch der Konservative Antonis Samaras residiert. Dabei ist er um den angestrebten Job, sollte er ihn den wirklich bekommen, alles andere als zu beneiden. Griechenland rutschte 2009 als erstes Euro-Land in die Schuldenkrise. Und von allen Problemfällen ist es immer noch der schwierigste.

Zweifel an den griechischen Zahlen

Nach sechs Jahren Rezession wächst die Wirtschaft zwar seit dem zweiten Quartal wieder ein wenig, aber der Aufschwung stützt sich fast ausschließlich auf den Boom im Tourismus. Die Aussichten für 2015 schienen gut, aber jetzt verzeichnen die Hoteliers wegen der politischen Turbulenzen bereits Buchungsrückgänge. Vor allem Kongressveranstalter halten sich zurück.

Auch bei der Haushaltskonsolidierung ist das Bild durchwachsen. Zwar hat Griechenland hier von allen Problemstaaten die größten Erfolge erzielt. Das Defizit wurde von 15,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2009 auf voraussichtlich 1,6 Prozent in diesem Jahr zurückgeführt. Für 2015 hat Finanzminister Gikas Hardouvelis sogar einen nahezu ausgeglichenen Haushaltsentwurf vorgelegt. Aber es gibt Zweifel an dem Zahlenwerk. Die Steuereinnahmen blieben bereits im letzten Quartal 2014 unter dem Plan und für das kommende Jahr erwartet die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds eine Finanzlücke von rund 2,5 Milliarden Euro.

Überdies braucht Athen im kommenden Jahr 22,5 Milliarden Euro, um fällige Anleihen zu refinanzieren, Kredite zu tilgen und Zinsen zu zahlen. Die Hoffnung, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren, wie es im April und Juli 2014 bereits zwei Mal glückte, hat sich angesichts der politischen Turbulenzen auf absehbare Zeit zerschlagen. Griechenland wird also wahrscheinlich ein drittes Rettungspaket benötigen – keine angenehme Aussicht für Tsipras, der seinen Anhängern verspricht, er werde die Troika aus dem Land jagen.