Die Gewerkschaft ver.di hat den Streik bei Amazon ausgeweitet. Mitarbeiter des Logistikzentrums in Koblenz (Rheinland-Pfalz) legten mit Beginn der Frühschicht um 5 Uhr die Arbeit nieder. Nach Angaben von ver.di-Sprecher Jürgen Dehnert versammelten sich etwa 100 Beschäftigte vor den Werkstoren. Damit wird erstmals an sechs der neun deutschen Amazon-Standorte gleichzeitig gestreikt.

Bereits am gestrigen Montag hatten Beschäftigte in Bad Hersfeld (Hessen), Leipzig (Sachsen), Graben (Bayern), Rheinberg und Werne (beide NRW) die Arbeit niedergelegt. Der Streik soll bis Mittwoch dauern. Laut Gewerkschaft beteiligten sich am ersten Tag fast 2.300 Beschäftigte, Amazon sprach von 2.100 Streikenden. Im Weihnachtsgeschäft arbeiten bei Amazon bundesweit nach Unternehmensangaben etwa 10.000 Festangestellte und 10.000 Saisonkräfte.

Für diese Arbeiter bei Amazon gilt kein ordentlicher Tarifvertrag. Ver.di will den US-Versandhändler zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu den Bedingungen des Einzelhandels bewegen. Amazon lehnt das ab und bezeichnet sich selbst als Logistikunternehmen. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Die Gewerkschaft ruft schon seit 2013 immer wieder zu Ausständen auf.

Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger signalisierte, an den Forderungen festhalten zu wollen. "Was wiegt denn höher: Dass ein Päckchen pünktlich unter dem Weihnachtsbaum liegt – oder dass ein global agierendes Unternehmen auch bei uns die Rechte der Beschäftigten achtet? Die Antwort liegt doch auf der Hand", sagte sie der Bild-Zeitung. "Wenn jemand das Weihnachtsfest verdirbt, dann Amazon. Das Unternehmen kann die Streiks beenden, wenn es seine Blockadehaltung aufgibt und einen Tarifvertrag abschließt."

Zu den Auswirkungen der Streiks gehen die Einschätzungen auseinander. Während ver.di von Beeinträchtigungen und Lieferverzögerungen spricht, betont Amazon, dass die Pakete pünktlich zu den Kunden kämen.