In der Türkei hat die Korruption im vergangenen Jahr laut Transparency International deutlich zugenommen. Der EU-Beitrittsaspirant erreichte nur noch 45 von maximal 100 Punkten. Das sind fünf Punkte weniger als im Vorjahr und das stärkste Minus unter allen Staaten. Binnen eines Jahres sackte die Türkei von Platz 53 auf Platz 64 in der Liste der 175 Länder, die Transparency nach ihrem Corruption Perceptions Index (CPI) bewertet.

Als Grund für den Absturz der Türkei nannte Transparency die politische Lage im Land. Zahlreiche Bestechungsskandale, in die auch ein Sohn von Präsident Recep Tayyip Erdoğan verwickelt war, und das schwere Grubenunglück von Soma offenbarten Korruption bis in die höchsten Ebenen von Politik und Wirtschaft. Auf Proteste und Demonstrationen habe die türkische Regierung mit der Maßregelung politischer Gegner und einer Einschränkung der Meinungsfreiheit reagiert, schreibt Transparency. 

Dänemark ist laut Transparency mit 92 von 100 möglichen Punkten das Land mit der weltweit niedrigsten wahrgenommenen Korruption, gefolgt von Neuseeland und Finnland. Ebenfalls in der Spitzengruppe mit mindestens 80 Punkten finden sich zudem Norwegen, die Schweiz, Singapur, die Niederlande, Luxemburg, Kanada und Australien. Deutschland liegt in der Tabelle unverändert auf Platz 12 mit 79 Punkten.

Der Korruptionswahrnehmungsindex basiert auf Einschätzungen zur Korruption im öffentlichen Sektor, die von Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen abgegeben werden.

Internationale Banken ermögliche Korruption

Auf dem Vormarsch ist Korruption der Untersuchung zufolge vor allem in aufstrebenden Wirtschaftsnationen. Verschlechtert hat sich die Situation demnach nicht nur in der Türkei, sondern auch in der Gruppe der Schwellenländer (BRIC), zu der Brasilien, Russland, Indien und China zählen. 

China fiel in der Bewertung um vier Punkte und rutsche damit gleich um 20 Plätze auf Rang 100 ab – obwohl die Regierung nach eigenem Bekunden einen entschlossenen Kampf gegen Korruption führt. Doch dieser werde als nicht wirkungsvoll und undurchsichtig wahrgenommen, schreibt Transparency. 

In der Kritik stehen aber auch internationale Finanzzentren. Obwohl sie meist in Ländern mit eher niedriger Korruptionsrate liegen, ermöglichten große Banken und Finanzinstitute in Frankfurt, London oder New York das Ansteigen der Korruption in aufstrebenden Ökonomien. Deren Eliten werde ermöglicht, illegal erworbene Millionensummen beiseitezuschaffen oder zu waschen, schreibt Transparency.

Griechenland, das im Korruptionsindex des vergangenen Jahres mit 40 Punkten das am schlechtesten bewertete Land in der EU war, hat sich leicht verbessert und liegt in der Rangliste 2014 gleichauf mit Italien (Rang 69 mit je 43 Punkten). Schlusslichter im weltweiten Vergleich sind mit jeweils acht Punkten erneut Somalia und Nordkorea. Knapp darüber liegen der Sudan, Afghanistan, der Südsudan und der Irak.