Selten hat ein Konzept, das bis vor Kurzem nur Notenbankern und Ökonomen geläufig war, eine so heftige öffentliche Debatte ausgelöst wie Quantitative Easing, auch bekannt unter dem peppigeren Kürzel QE. Gemeint ist der Ankauf von Staatsanleihen (und gegebenenfalls auch Unternehmensanleihen) durch die Zentralbank. Das Ziel: Die Konjunktur soll gestützt und eine mögliche Deflation bekämpft werden. Im Dezember sind nach ersten Schätzungen von Eurostat die Preise in der Währungsunion erstmals seit 2009 gesunken.

Nach dem Willen von EZB-Chef Mario Draghi soll QE in der Eurozone schon bald beginnen. Ende Januar – kurz vor der Wahl in Griechenland – will das Direktorium über das Programm entscheiden. Kritiker sehen in QE eine indirekte Staatsfinanzierung und werfen Draghi vor, damit gegen EU-Verträge zu verstoßen. Zudem fürchten sie, dass das Programm langfristig zu einer hohen Inflation führt.

Die amerikanische Notenbank hat ihr QE-Programm offiziell im Oktober vergangenen Jahres eingestellt. Doch abgeschlossen ist das Kapitel QE in den USA deshalb noch lange nicht. Die Diskussion über den Erfolg und die Gefahren der Aktion geht mit unverminderter Schärfe weiter. Was bleibt nach knapp sechs Jahren QE sind vor allem Zweifel.

Die Fed war keineswegs die erste Notenbank, die zu dem umstrittenen geldpolitischen Mittel griff. Aber keine Notenbank hat QE in einer derartigen Dimension eingesetzt. Im November 2008, gleich nach dem Untergang von Lehman Brothers, startete der damalige Fed-Chef Ben Bernanke die erste Runde, um die sehr akute Gefahr eines Kollapses des Finanzsystems abzuwenden. Das Programm ging im März 2010 zu Ende.

Doch noch im Herbst des gleichen Jahres legte Bernanke QE2 auf. Dieses Mal geht es vor allem darum, den Immobilienmarkt wieder in Gang zu bringen, der für die amerikanische Konjunktur von großer Bedeutung ist. Mit den Standardmitteln der Geldpolitik – Zinssenkungen – konnte Bernanke nicht mehr arbeiten, denn die Zinsen hatte die Fed bereits auf nahe null gesenkt. Doch die Erholung blieb schleppend und Bernanke versuchte es mit einer QE-Variante mit dem schönen Namen Operation Twist, bei der die Fed langfristige Hypotheken gegen Papiere mit kurzen Laufzeiten austauschte.

Dann galt der Fokus der Fed der anhaltenden Arbeitslosigkeit, die nur sehr langsam zurückging. Und so läutete Bernanke, dem die Wall Street wegen der Flut billigen Geldes, das er verteilte, den Spitznamen "Helikopter Ben" verlieh, im Herbst 2012 die dritte und vorläufig letzte Runde ein. 

Feststeht: Durch den Aufkauf der Staatsanleihen und Hypothekenpapiere ist die Bilanz der Fed innerhalb von sechs Jahren von knapp 900 Milliarden auf den Rekordstand von 4,5 Billionen Dollar angeschwollen. Das entspricht etwa einem Drittel des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts.