Dieser Start macht fast sprachlos: Gerade einmal vier Tage ist die neue Regierung unter Alexis Tsipras im Amt – und schon wirft sie so viele Bälle in die Luft wie möglich. Die zerbrechliche, gemeinsame Position der EU gegenüber Russland? Von Griechenland torpediert. Die seit Jahren mühsam umgesetzten Strukturreformen in Griechenland? Sollen wieder rückgängig gemacht werden. Gefeuerte Staatsbedienstete sollen wieder ins Amt, Privatisierungen abgebrochen werden.

Mit dem Tempo, mit dem Tsipras Änderungen in der bisherigen Politik verkündet, gerät das eigentlich Wichtige aus dem Blick: Er und sein neuer Finanzminister Yanis Varoufakis werden sich vor allem mit Haushaltszahlen beschäftigten müssen. In diesem Jahr muss die griechische Regierung einige Gläubiger ausbezahlen. Es geht um große Summen – und sie werden das kleine Land arg in die Bredouille bringen.

Allein an die Europäische Zentralbank (EZB) muss Griechenland im Juli und August 6,7 Milliarden Euro zurückzahlen (siehe Grafik). Die EZB hatte noch unter ihrem ehemaligen Präsidenten Claude Trichet griechische Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptiert. Diese werden nun fällig.

Die Notenbank wird auf die Rückzahlung pochen – sonst muss sie sich den Vorwurf der Staatsfinanzierung gefallen lassen. Das ist ihr nach den europäischen Verträgen verboten. Nicht einmal eine Verlängerung der Laufzeit sei drin, sagte Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré Anfang der Woche dem Corriere della Sera

Auch die griechischen Banken hängen am Tropf der EZB. Die Zentralbank akzeptiert auch hier griechische Staatsanleihen als Sicherheit für die Banken. Die Institute können die Papiere bei der EZB hinterlegen und sich so frisches Kapital besorgen. Die Notenbank hat dafür ihre eigenen Regeln aufgeweicht. Vor der Krise hätte sie nie Papiere akzeptiert, die kurz davor stehen, auf Ramschniveau herabgestuft zu werden.

Dieser Deal mit der EZB gilt allerdings nur so lange, wie Griechenland die Troika-Reformen umsetzt. "Anleihen ohne ein Programm, kann die EZB nicht zur Refinanzierung nehmen", sagt auch Finanzminister Wolfgang Schäuble immer wieder. "Und ich hoffe, dass die Verantwortlichen in Athen das verstanden haben."

Der IWF will mehr als neun Milliarden

Auch in Washington wartet man auf Überweisungen aus Athen. Der Internationale Währungsfonds bekommt in diesem Jahr noch knapp 9,1 Milliarden Euro von Griechenland. Und die Europäische Investitionsbank verlangt noch einmal 800 Millionen Euro. Zählt man all diese Verpflichtungen zusammen, sowohl an öffentliche, als auch private Gläubiger und inklusive der Zinszahlungen, dann hat Griechenland einen geschätzten Finanzbedarf von 21,3 Milliarden Euro. Und das nur in diesem Jahr.

Woher das Geld nehmen – wenn Griechenland partout keine neuen EU-Kredite will? Bislang gibt es kaum verlässliche Daten, wie die aktuelle Haushaltslage in Griechenland aussieht. Zumal die Steuereinnahmen gerade im Januar und im vergangenen Dezember noch einmal zurückgegangen sein sollen. "Insgesamt verfügt die Regierung angeblich über Reserven von vier Milliarden Euro", sagt der Ökonom Manos Giakoumis, Analyst bei dem griechischen ThinkTank MacroPolis. Das wäre eine Summe, die Griechenland vielleicht über die ersten Monate hinweg helfen könnte, länger aber auch nicht.