Giorgos Emporidis steht vor einer Wand voller Werkzeuge: Bohrmaschinen, Kreissägen, Schleifgeräte. Mit der flachen Hand zeichnet er eine waagerechte Linie in die Luft. "Unser Umsatz hat sich auf tiefem Niveau stabilisiert", sagt der Geschäftsführer eines Werkzeughandels im Athener Stadtzentrum. "2014 ging es wenigstens nicht weiter abwärts."

Seit 15 Jahren verkauft Emporidis Werkzeuge an kleine Handwerksbetriebe und Privatleute. Am Verhalten seiner Kunden, sagt der 52-Jährige, könne er die konjunkturelle Lage des Landes gut ablesen. Wenn Unternehmen und Hausbesitzer investieren und die Bautätigkeit zunimmt, merkt er das sofort. Dass sich im vergangenen Jahr die Situation leicht verbesserte, habe er auch in der Stadt beobachten können: "Auf vielen Baustellen hat sich seit Jahren nichts getan. Jetzt sieht man dort wieder Bewegung."

Es ist ein winziges Hoffnungszeichen. Der Geschäftsmann erzählt davon dennoch mit einem Gleichmut, den man sich nach sechs Jahren Wirtschaftskrise und einem Umsatzeinbruch von mehr als 60 Prozent wohl aneignen muss, um überhaupt weiterzumachen. Was er sich von der anstehenden Wahl am 25. Januar erwartet? "Nicht viel", sagt Emporidis. Was solle sich schon ändern, wenn jetzt womöglich die Linkspartei Syriza an die Macht komme?

Viele Versprechen, wenig Hoffnung

Einer solch resignierten Haltung begegnet man häufiger in den Tagen vor der Wahl in Griechenland. Denn selbst wenn die Rezession 2014 endete, und es langsam wieder aufwärts zu gehen scheint: Die Menschen spüren davon bisher wenig. Selbst jene, die Alexis Tsipras unterstützen, den linken Herausforderer des Ministerpräsidenten Antonis Samaras, haben nur wenig Hoffnung. Zuviel hat Tsipras schon jetzt versprochen: einen höheren Mindestlohn, keine weiteren Sparmaßnahmen, mehr Sozialleistungen. Viele finden das unglaubwürdig. Und trotzdem liegt Tsipras in den Umfragen vorne, weil viele Wähler sagen: Wenn er nur die Hälfte von dem umsetzt, was er jetzt verspricht, ist schon viel gewonnen.

Samaras hingegen hat im vergangenen Sommer einige Fehler begangen. Etwa bei der Einführung einer dauerhaften Immobiliensteuer: 70 Prozent der Griechen besitzen eine eigene Wohnung. Dass ihnen mitten in der Krise eine neue Steuer aufgebürdet wird, kann ihnen schon per se nicht gefallen. Zumal die Steuer als ungerecht empfunden wird, weil Eigentümer mit geringer Wohnfläche anteilig genauso viel zahlen müssen wie Villenbesitzer.

Und dann waren auch noch viele Steuerbescheide falsch. Häufig sei der Betrag zu hoch berechnet worden, sagt Christos Katsioulis, der Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Athen. "Das hat viele Leute verärgert." Da habe es der Regierung zum Ende des Jahres auch wenig genutzt, dass sie erste kleine Erfolge vom Arbeitsmarkt verkünden konnte. Auf etwa 25 Prozent ist die Quote der Erwerbslosen nun gesunken.

Wenige Hundert Meter entfernt vom Amtssitz des Ministerpräsidenten beobachtet man genau, was Samaras in der Gunst der Wähler hat fallen lassen. Der Chefredakteur von Griechenlands größter Wochenzeitung To Vima sitzt in seinem Büro am weit geöffneten Fenster. Herein weht kalte Winterluft und das unaufhörliche Rauschen des Athener Straßenlärms. "Die deutsche Kanzlerin hat Samaras den Teppich unter den Füßen weggezogen", sagt Antonis Karakousis.