Niedriglöhne werden vor allem dort gezahlt, wo es Unternehmen schwerfällt, Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen – zum Beispiel in der Landwirtschaft. Gleiches gilt in Branchen, die ihre Produktion nicht einfach ins Ausland verlagern können, etwa im Gastgewerbe, wie unsere Infografik zeigt, erstellt vom Portal Statista für ZEIT ONLINE. In keinem anderen Wirtschaftszweig war der Anteil der Niedriglöhner vor der Einführung des Mindestlohns so hoch wie in diesen beiden Branchen.

Auf der Grafik ist auch zu sehen, dass in Ostdeutschland zuletzt besonders viele Personen einen Bruttostundenlohn unterhalb der Mindestlohngrenze bezogen. 2013 war es knapp ein Viertel aller Arbeitnehmer, deutlich mehr als in Westdeutschland.

Der Ost-West-Unterschied existiert in allen Wirtschaftszweigen. Im Gastgewerbe beispielsweise, wo auf ganz Deutschland gerechnet über die Hälfte der Beschäftigten einen Niedriglohn bezogen. In Ostdeutschland lag der Anteil bei zwei Dritteln der Arbeitnehmer, im Westen waren es immerhin noch 48 Prozent. Oder in der Landwirtschaft: Hier gehörte im Osten fast die Hälfte der Beschäftigten zu den Niedriglöhnern, im Westen war es noch ein Fünftel. Im Handel, der einen hohen Anteil an der Gesamtbeschäftigung hat, erhielten in Ostdeutschland rund zwei Fünftel einen Niedriglohn, im Westen etwas weniger als ein Fünftel.

Die Grafik basiert auf Berechnungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Die Ökonomen betrachteten Daten aus dem Jahr 2013 im Licht neuer Erhebungsergebnisse. Im Vergleich zu 2012 habe sich der Anteil der Niedriglöhner an den Beschäftigten in Ostdeutschland so gut wie nicht verändert, schreiben die Forscher. Zahlen für das Jahr 2014 haben sie noch nicht. Und mit dem Beginn des Jahres 2015 müssten eigentlich ohnehin alle Arbeitnehmer mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen – zumindest in der Theorie.