Nachdem DIE ZEIT im vergangenen Jahr mehrere Betrugsfälle bei dem Tierschutzlabel "Neuland" aufgedeckt hatte, zieht der dahinter stehende Verein nun Konsequenzen: Weder der Vorsitzende Wolfgang Apel noch der Bundesgeschäftsführer Jochen Dettmer werden ihre Ämter behalten. Stattdessen sollen von nächster Woche an die Trägerverbände dem Neuland-Verein vorstehen.

Neuland ist ein Label und ein Verein, es steht für Fleisch "aus besonders tiergerechter Haltung". Getragen wird der Verein vom BUND, dem deutschen Tierschutzbund und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Im April des vergangenen Jahres hatte DIE ZEIT aufgedeckt, dass der Hauptlieferant von Hähnchenfleisch jahrelang konventionelles Fleisch als Neuland-Fleisch etikettiert hatte. Kurz darauf hatte DIE ZEIT enthüllt, dass der Geschäftsführer der Vertriebsgesellschaft von Neuland Süd jahrelang Hähnchenfleisch aus Frankreich importiert hatte, das ebenfalls nicht den Neuland-Richtlinien entsprach. Außerdem war konventionelles Lammfleisch verkauft worden und auf dem Schlachthof waren Mängel festgestellt worden.

Dem Geschäftsführer von Neuland Nord wurde im vergangenen Jahr gekündigt, dem im Süden wurde die Lizenz entzogen. Mittlerweile produziert dort eine neue Erzeugergemeinschaft. Neuland hat auch einzelne Betriebe gekündigt, beispielsweise einem Putenmäster in Niedersachsen, dem DIE ZEIT Mängel nachweisen konnte.

Das alles habe eine Weile gedauert, räumt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder ein: "Aber wir haben uns im April und Mai in einem Schockzustand befunden." Die Vorsitzenden der drei Trägerverbände sagten, man habe lange überlegt, ob man überhaupt am Neuland-Verein festhalten wolle.

Nun versuchen sie es noch einmal: Künftig soll eine Kontrollstelle bei Verstößen auch direkt Sanktionen aussprechen können. Welche das ist, stehe allerdings noch nicht fest, sagte Geschäftsführer Dettmer.

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen dauern noch an.