Im Schuldenstreit zwischen Griechenland und den Europartnern scheint eine Einigung möglich. Diplomaten berichteten, in Vorgesprächen zum Treffen der Euro-Finanzminister habe es Unterstützung für einen Vorschlag für eine Vereinbarung gegeben. Beide Seiten hätten sich auf einen Entwurf geeinigt, der zu einer Verlängerung des aktuellen Hilfsprogramms führen könnte, sagten Vertreter der griechischen Regierung sowie der Eurozone in Brüssel. Es gebe aber noch keinen Beschluss der Eurogruppe als Ganzes. Details würden womöglich erst später ausgearbeitet.

"Es scheint, dass sich eine Einigung abzeichnet", hieß es aus Verhandlungskreisen. Es sei aber noch möglich, "dass es Einwände aus den Delegationen gibt". "Es herrscht allgemeiner Optimismus", sagte ein weiterer Diplomat. Aus EU-Kreisen hieß es unterdessen, der griechische Regierungschef Alexis Tsipras habe am Nachmittag EU-Ratspräsident Donald Tusk gebeten, für Sonntag einen Gipfel der Staats- und Regierungschefs einzuberufen, falls das Finanzministertreffen erneut scheitere.

In Verhandlungskreisen hieß es, die Griechen hätten "schwere Kost schlucken" müssen. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem habe den Griechen einen Entwurf der Eurogruppe vorgelegt, in dem die Forderungen der anderen 18 Euroländer zusammengefasst seien. Dann habe er den griechischen Regierungschef Alexis Tsipras angerufen und gesagt: "Das oder es sei Schluss", hieß es am Rande des Euro-Finanzministertreffens.

Die Euroländer hatten zunächst ohne sichtbare Kompromissbereitschaft einen neuen Anlauf zur Lösung der griechischen Schuldenkrise genommen. Der Athener Finanzminister Yanis Varoufakis lehnte vor Beginn des Treffens Korrekturen am Antrag für eine Verlängerung der Finanzhilfen ab und forderte ein Entgegenkommen der Partner. Deutschland und andere Euroländer hielten die Zugeständnisse der Links-Rechts-Regierung weiter für unzureichend.

Griechenlands bisheriges Hilfsprogramm läuft am 28. Februar aus. Ohne weitere finanzielle Unterstützung droht dem Land die Staatspleite und womöglich auch das Ende der Mitgliedschaft in der Eurozone. Die neue griechische Regierung will in den Verhandlungen zu weiterer finanzieller Unterstützung eine deutliche Lockerung der bisherigen Spar- und Reformauflagen durchsetzen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Donnerstag einen von seinem griechischen Kollegen Yanis Varoufakis eingereichten Hilfsantrag als unzureichend abgelehnt. Er zielte auf eine sechsmonatige Verlängerung der finanziellen Unterstützung für Griechenland.