Vor Beginn der Brüsseler Verhandlungen zum griechischen Schuldenstreit dringen unterschiedliche Signale an die Öffentlichkeit. Minister mehrerer EU-Länder forderten vor den Gesprächen ein klares Bekenntnis aus Athen zu früheren Reformzusagen an die Gläubiger. Auf Arbeitsebene stellten sich zuvor nach Angaben aus Teilnehmerkreisen alle anderen Regierungen hinter die harte Haltung des größten Geldgebers Deutschland.

Zuvor hatte es positive Signale gegeben, die auf eine mögliche Einigung mit Griechenland im Schuldenstreit hindeuteten. Der finnische Finanzminister Antti Rinne äußerte sich zuversichtlich. "Vergangene Nacht ist ein Funke der Hoffnung aufgeglüht, dass eine Verständigung erzielt werden kann", sagte Rinne der Zeitung Helsingin Sanomat. "Griechenland könnte das vorliegende Hilfsprogramm fortsetzen, um seine Wirtschaft zu stärken."

Am Freitagnachmittag findet eine wichtige Sitzung der Euro-Finanzminister statt. Griechenland hatte zwar am Donnerstag eine Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Kreditprogramms beantragt. Insbesondere Finnland und Deutschland kritisierten den Antrag allerdings als unzureichend. In der Begründung hieß es, die neue Regierung in Athen ziele lediglich auf eine Brückenfinanzierung, ohne die Spar- und Reformanforderungen zu erfüllen.

"Der Rahmen ist das laufende Hilfsprogramm"

Führende griechische Politiker streben für den Fall eines Scheiterns der Gespräche mit der Eurogruppe einen EU-Sondergipfel zur Lösung des griechischen Schuldendramas an. Das Land werde umgehend einen solchen Gipfel beantragen, sagte einer der wichtigsten Parteifunktionäre und Parlamentarier der regierenden Linkspartei Syriza in Athen: "Wir werden dies sofort tun." Einen EU-Sondergipfel schloss auch der griechische Europaparlamentarier Dimitrios Papadimoulis im griechischen Fernsehen nicht aus.

Portugals Finanzministerin Maria Luís Albuquerque zeigte sich verhalten kompromissbereit, nachdem sie zuvor eine harte Haltung eingenommen hatte. Sie forderte die vom Linksbündnis Syriza geführte griechische Regierung zwar auf, Zusagen einzuhalten. Dennoch gebe es "einen Rahmen, in dem wir bereit sind, mit der griechischen Regierung zu diskutieren", sagte sie dem Handelsblatt. Zugleich stellte Albuquerque jedoch klar: "Dieser Rahmen ist das laufende Hilfsprogramm, das verlängert werden sollte."

Auch das frühere Eurokrisenland Portugal habe nach dem Regierungswechsel 2011 Anpassungen an seinem damaligen Programm vorgenommen. "Dieser Weg steht auch Griechenland offen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass diese Maßnahmen hart sind", sagte die Ministerin.

Nach Angaben aus griechischen Verhandlungskreisen fordert die Bundesregierung unter anderem einen Verzicht auf bereits angekündigte Arbeitsmarkt- und Sozialreformen. Berlin will nach Angaben von griechischer Seite zudem, dass bestimmte Verpflichtungen klar schriftlich festgehalten werden. In griechischen Regierungskreisen hieß es zuvor, die Geldgeber würden den Inhalt des Antragsschreibens mit entsprechenden Zusagen zu 95 Prozent mittragen.