Die Chefin der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, hat davor gewarnt, im Schuldenstreit einen "faulen Kompromiss" mit Griechenland einzugehen. "Die Reformpläne, die Griechenland am Montag vorlegen will, müssen genau geprüft werden", sagte Hasselfeldt. "Wir lassen uns nicht auf einen faulen Kompromiss ein. Keine Leistung ohne Gegenleistung, dabei bleibt es."

Die griechische Regierung hatte sich am späten Freitagabend mit der Eurogruppe darauf geeinigt, das Hilfsprogramm um vier Monate zu verlängern. Sie verpflichtete sich, Anfang kommender Woche eine Liste vorzulegen, in der sie ihre Reformpläne detailliert beschreibt. Die Institutionen – die EU-Kommission, die EZB und der IWF – müssen diese genehmigen, dann kann das Hilfsprogramm offiziell verlängert werden. Dieser Verlängerung muss dann unter anderem der Bundestag zustimmen.

Dass das Parlament dafür stimmen werde, das Programm zu verlängern, schloss der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, aus. Die Einigung sei nicht zustimmungsfähig. "Europa darf sich von Griechenland nicht mit leeren Versprechungen abspeisen lassen", sagte er. "Ohne verlässliche Gegenleistung Athens ist die Einigung nichts wert."

"Zweifel sind bei mir nach wie vor da", sagte auch der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Eckhardt Rehberg. Er gehe davon aus, dass Griechenland im Sommer ein drittes Hilfsprogramm beantragen müsse. Für das Land und für die Eurogruppe sei die Einigung aber gut, sagte er dem WDR. Die griechische Regierung müsse nun bis Montag den Vertrauensvorschuss umsetzen, den es von der Eurogruppe erhalten habe.

Deutliche Kritik an der Einigung äußerte der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. "Zusätzliches Geld ist nichts als ein Schmerzmittel für die griechische Krankheit und trägt nicht zur Heilung bei", sagte der Ökonom. "Griechenland wurde durch den Euro zu teuer und muss nun billiger werden, um seine Wettbewerbsfähigkeit zurückzuerlangen. Das geht nur durch den Austritt aus dem Euro und die Abwertung der Drachme."

Wagenknecht kritisiert "Erpressung" Griechenlands

Die griechische Regierung habe nun "eine kleine Chance, gegen die humanitäre Krise im Land anzugehen", sagte die Vorsitzende der Linksfraktion im Europaparlament, Gabi Zimmer. Die stellvertretende Vorsitzende ihrer Partei, Sahra Wagenknecht, kritisierte unterdessen den Verhandlungsstil der Eurogruppe scharf. Es sei unglaublich, mit welcher Ignoranz die griechische Regierung bei den Verhandlungen erpresst worden sei, sagte Wagenknecht. "Es ist gut, dass die Bundesregierung mit ihrer unnachgiebigen Alles-oder-nichts-Position von den anderen Euroländern ausgebremst wurde."

Die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter, forderte, gemeinsam "Wege zu finden, um die erdrückende Schuldenlast zu erleichtern". Sie lobte die Einigung: "Die viermonatige Verlängerung des Hilfsprogramms ist ein wichtiger Baustein eines tragfähigen Gesamtkonzepts für Griechenland." Die Eurogruppe sei nun gefordert, "Raum für Investitionen zu schaffen und den sozialen Verwerfungen entgegenzusteuern".