Es ist ein Krimi, eine Theateraufführung, die in Brüssel um 18.30 Uhr mit einer geleakten Abschlusserklärung beginnt. Dutzende Journalisten lassen sie hektisch durch den Kopierer rauschen. Um 21 Uhr endet die Vorstellung, als der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis zum Ende seiner Pressekonferenz auch noch mit einer umgestoßenen Wasserflasche zu kämpfen hat.

Hektisch werden Taschentücher ausgepackt, sein Redemanuskript abgetupft, verlegen Grimassen geschnitten. Varoufakis bleibt aber auch nichts erspart. Und dazwischen? Da sind die Deutschen, die Griechenland unter Druck setzen, endlich Reformen zu erfüllen. Und der französische EU-Währungskommissar, der recht versöhnlich klingt.

Die Eurogruppe geht an diesem Montag in Brüssel auf Konfrontationskurs mit Griechenland – und riskiert, dass ein Grexit, der Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone, nicht mehr als komplett unwahrscheinlich abgetan werden kann. Etwa vier Stunden tagen die Euro-Finanzminister zu Griechenland. Am Ende bekommt Griechenland ein Ultimatum: Stellt endlich einen Antrag und unterschreibt so schnell wie möglich eine Verlängerung des aktuellen Reformprogramms (eine Formulierung, die für die neue Tsipras-Regierung ein Tabu ist), dann können wir über gewisse Änderungen und die Auszahlung der nächsten Gelder diskutieren.

Es ist die Antragsfalle für Griechenland: Ohne Antrag auf Verlängerung kein neues Geld, das machen die Eurostaaten Griechenland knallhart deutlich. Dies bedeutet, dass möglicherweise am Freitag die Euro-Finanzminister zu einer weiteren Sondersitzung zusammenkommen müssen. Es wäre die letzte Chance für eine Einigung, denn nächste Woche ist die letzte Möglichkeit, dass etwa der Bundestag über eine Fortsetzung von Finanzhilfen diskutieren kann.

Varoufakis gibt sich eindeutig uneindeutig

Und die Griechen? Yanis Varoufakis gibt sich auf seiner Pressekonferenz eindeutig uneindeutig: Er halte es für möglich, dass sich Griechenland noch in den kommenden 48 Stunden mit seinen Geldgebern einigen könne – auf was genau, das hält er offen. Auf der anderen Seite zieht er rote Linien, die Kreditgeber wie der Internationale Währungsfonds IWF nicht akzeptieren werden.

Aber der Reihe nach. Dieses Kammerspiel in den fensterlosen Räumen des Ratsgebäudes in Brüssel startet mit besagtem zweiseitigen Papier, das die griechische Regierung abends kursieren lässt. Es ist das "European statement in Greece" in der Entwurfsversion von 14.45 Uhr, also genau eine Viertelstunde vor dem Beginn der Eurogruppensitzung. Am Rand hat jemand die Worte "current programm" (aktuelles Reformprogramm der Troika) mit zwei X handschriftlich gebrandmarkt. Aus Verhandlungskreisen der Griechen verlautet, dass es ja wohl eine Dreistigkeit sei, dass man so etwas vorgelegt bekommen habe. Das könne die griechische Regierung nicht unterschreiben, schließlich habe sie den Wählern zu Hause versprochen, dass Schluss sei mit den Reformauflagen der Troika.

Kein Lächeln, nur ernste Mienen

Danach die Pressekonferenz der Eurogruppe und der Vertreter des Internationalen Währungsfonds, des Euro-Rettungsfonds ESM und der EU-Kommission. Drei Männer und eine Frau stellen sich steif auf die Bühne im Pressesaal, kein Lächeln, ernste Mienen. IWF-Chefin Christine Lagarde sagt, wenn es keine weiteren Reformen in Griechenland gibt, dann gibt es auch keine Auszahlung der so dringend benötigten Hilfskredite. Überhaupt: Eine IWF-Überprüfung Griechenlands sei längst überfällig.

Auch Eurogruppenchef Dijsselbloem gibt sich enttäuscht. Eigentlich hätten alle Euro-Finanzminister erwartet, dass Griechenland an diesem Montag endlich konkrete Vorstellungen vorlege. Das sei aber nicht passiert. Man habe ein "leichtes Gefühl der Enttäuschung", untertreibt er diplomatisch. Und setzt nach: Jetzt müssten die Griechen eben einen Antrag stellen, sonst passiere erst einmal nichts.

Nur EU-Währungskommissar Pierre Moscovici klingt noch etwas versöhnlich auf dem Podium. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass schon Schluss sei, sagt der Franzose. Und zur Wortwahl: Memorandum oder Vertrag, Troika oder Institutionen – das sei doch gerade nicht mehr wichtig. Die Griechen sollten einen Antrag auf Verlängerung stellen. "Wir müssen logisch und nicht ideologisch denken", sagt er. Es klingt fast flehend.