Unmittelbar vor dem erneuten Spitzentreffen der Euro-Finanzminister zum Schuldenstreit mit Griechenland ist noch keine Einigung in Sicht. Griechenland lehnte Korrekturen an seinem Antrag auf weitere Milliardenkredite erneut ab, mehrere Euro-Länder beharrten dagegen auf einem Bekenntnis zu den früheren Reformzusagen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnte ein Entgegenkommen ab: Es sei nun eigentlich "alles gesagt". Es gehe aber auch "nicht nur um die einzelnen Länder, es geht um Europa".

Kanzlerin Angela Merkel forderte von Griechenland "erhebliche Verbesserungen in der Substanz", sie hoffe, dass dies geschehen werde. "Griechenland soll in der Eurozone bleiben", betonte sie einmal mehr nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten François Hollande. Das Land habe Opfer erbracht und Reformen in Angriff genommen. "Wir werden alles dafür tun, um diesen Weg fortzusetzen." 

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schloss einen Austritt Griechenlands ausdrücklich aus. "Ich sehe Griechenland als bleibendes Mitglied in der Euro-Familie", sagte Juncker der WirtschaftsWoche. "Ein Austritt Griechenlands wird nicht passieren." Den Verhandlungsstil des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras und von Finanzminister Yanis Varoufakis kritisierte Juncker allerdings scharf: "Hochgradige Erfahrung ist mir bisher nicht begegnet."

Laut einem Bericht des Spiegel trifft die Europäische Zentralbank (EZB) Vorbereitungen für einen Euro-Austritt des Landes. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte hingegen, man sei "zuversichtlich, dass eine Einigung in absehbarer Zeit möglich ist, wenn alle vernünftig sind".

Die Euro-Finanzminister wollen am Nachmittag zum dritten Mal binnen zehn Tagen über Griechenland beraten. Die Zeit drängt, weil das jetzige Hilfs- und Reformpaket Ende Februar endet – danach droht die Zahlungsunfähigkeit. Die von der linken Syriza-Partei geführte neue Regierung in Athen lehnt weite Teile der Reformauflagen für die Hilfsmilliarden ab.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem erwartet äußerst komplizierte Verhandlungen. Es gebe "noch immer einen Grund für Optimismus, aber es ist sehr schwierig", sagte Dijsselbloem in Brüssel. Er spreche nun zunächst "mit den Hauptakteuren, um Lösungen zu finden". Dies werde "einige Zeit kosten". Die gesamte Runde der Finanzminister solle dann "so bald wie möglich" zusammenkommen.

Am Donnerstag hatte Griechenland rechtzeitig vor dem Ende eines Ultimatums einen Antrag auf Verlängerung der Kredithilfen der Euro-Länder gestellt. In dem Brief bittet er um eine sechsmonatige Verlängerung der Milliardenhilfen für sein Land – also faktisch bis Ende August. Den Gläubigern fehlt aber eine klare Haltung zu den Reformzusagen.