Ende des Monats läuft sie ab, die Frist für Griechenland. Am 28. Februar Schlag Mitternacht endet dann das bisherige Hilfsprogramm von Europäischer Zentralbank, Kommission und Internationalem Währungsfonds – und die verschuldete griechische Regierung wird bald danach frisches Geld brauchen, um Löhne und andere Verpflichtungen zu bezahlen. "Mit Ablauf des Februars wird es extrem eng", sagt Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW).  

Aus der Währungsunion würde Griechenland aber nicht automatisch fliegen, sollte es kein weiteres Hilfsprogramm geben – zumindest nicht sofort. Aber wahrscheinlicher geworden ist ein Grexit allein durch die Eskalation der Brüsseler Gespräche zwischen dem extrem verschuldeten Land und den anderen Staaten der Eurozone in dieser Woche. Um wie viel, kann eigentlich niemand genau sagen. Doch Ökonomen, die an die Macht exakter Zahlen glauben, schätzen sie auf 25 bis 32 Prozent.

Was genau also würde nach dem 28. Februar passieren, sollte es nicht doch noch eine Einigung in Brüssel geben? Ein paar Tage könnte der griechische Staat sich noch finanzieren, dann wäre das Geld wohl aus. Wo soll es auch herkommen, wenn die bisherigen Geldgeber aus dem Ausland ihre Hilfe einstellen, neue – zumindest bisher – nicht in Sicht sind, und die Quellen auch im Inland versiegen? "Schon jetzt gibt es Hinweise darauf, dass die öffentlichen Einnahmen zurückgehen. Zum Beispiel, weil manche Bürger seit vergangenem Dezember fällige Steuern nicht mehr zahlen", sagt Kooths. Griechenland wäre bald pleite. 

Kommt dann der Grexit?

Eine Staatspleite wäre auch für die Banken in Griechenland fatal. Bisher leiht der griechische Staat sich Geld bei den heimischen Banken und stellt ihnen dafür Staatsanleihen aus. Also Papiere, für deren Rückzahlung er einsteht. Die Banken konnten diese Staatsanleihen weiter an die Europäische Zentralbank (EZB) reichen und bekommen dafür Kredite. 

Doch damit ist es bereits seit vergangener Woche vorbei: Die EZB akzeptiert diese Papiere nicht mehr als Sicherheiten. Das macht den griechischen Banken Probleme, die sich inzwischen über Notkredite ihrer griechischen Zentralbank finanzieren müssen, weil sie aus Frankfurt kein Geld mehr erhalten. Wenn aber die griechischen Banken kein Geld mehr bekommen, haben sie also auch keins, dass sie an den Staat und die Wirtschaft weitergeben könnten. Und da zusätzlich schon jetzt viele Griechen ihre Konten plündern und Erspartes in immer größerem Ausmaß ins Ausland schaffen könnten die Geldinstitute sehr schnell genauso pleite sein wie ihr Staat.

"Ohne funktionierende Banken wäre keine Versorgung der Wirtschaft mit Euro mehr möglich", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. "Dann funktioniert das ganze Land nicht mehr." Kaputte Banken, ein bankrotter Staat, kein Geld mehr im Land: aus Katers Sicht wäre der Austritt aus der Eurozone die zwangsläufige Folge.   

Nicht unbedingt, sagt Stefan Kooths vom IfW. "Banken aus anderen Euroländern könnten die verwertbaren Reste der insolventen griechischen Institute übernehmen. Sie würden sich dann außerhalb Griechenlands beim Eurosystem refinanzieren und die griechische Wirtschaft mit Geld und Kredit versorgen." Griechenland behielte mit dem Euro einen letzten Stabilitätsanker. Doch der griechische Staat müsste dann eine noch härtere Budgetdisziplin an den Tag legen. Eine weiche Staatsfinanzierung über die Notenpresse wäre passé.