Der entscheidende Satz fiel recht spät auf der Pressekonferenz des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis am Freitagabend. Auf die Frage eines Journalisten, was denn passieren würde, wenn die Institutionen – sprich: die Troika – die von der Eurogruppe geforderte Reformliste am Montag nicht akzeptiert, antwortete Varoufakis: "Then we are finished." ("Dann sind wir am Ende.") Griechenland hat kapituliert.

Die neue Regierung mag gute und überzeugende Argumente haben, die bisherige Krisenpolitik infrage zu stellen. Die Rettung Griechenlands war zu Beginn vor allem eine europäische Bankenrettung und die harte Austeritätspolitik hat das Land in eine soziale und wirtschaftliche Depression gestürzt. Deutschland hat im Jahr 2010 lange gezögert, Griechenland überhaupt zu helfen und damit alles teurer gemacht. Griechenland braucht jetzt vor allem eins: Wachstum. Alles richtig. Am Ende sind aber nicht die besseren Argumente entscheidend, sondern die Art und Weise, wie man sie vorbringt.

Syriza hat sich unbeliebt gemacht

Wer durch Europa tourt, die Troika-Politik als Waterboarding bezeichnet, die Rettungspolitik lauthals als verfehlt abtut und sich selbst als Heilsbringer für ganz Europa stilisiert, darf sich nicht wundern, wenn das Gegenüber dicht macht und seine Kompromissbereitschaft schnell gegen null tendiert. Es ist, als ob man – hochverschuldet – zur Bank rennt, den Kreditberater beschimpft, er hätte ihm nie so viel Geld leihen dürfen und dann doch weitere Unterstützung einfordert.

Für die griechische Regierung wird es schwer, diesen Kompromiss den Syriza-Wählern daheim zu erklären. Die Rücknahme von Reformen (Roll-Back) ist ausgeschlossen. Und: Das bisherige Hilfsprogramm wird abgeschlossen, ein Punkt, gegen den sich die Griechen bis zum Schluss gewehrt haben.

Varoufakis hob am Freitag hervor, dass Griechenland jetzt "Co-Autor" des Reformprogramms sei. Die Wahrheit ist: Griechenland macht Reformvorschläge, am Ende bestimmt aber erneut die verhasste Troika, die der griechische Finanzminister noch vor wenigen Wochen des Landes verwiesen hat, was umgesetzt wird und was nicht. Aber: Glaubt man den Aussagen der Griechen, ist die Einigung mit keinen neuen Auflagen, Gehaltskürzungen, Entlassungen oder Rentenkürzungen verbunden. Immerhin, hier könnten sich die Griechen durchgesetzt haben. Genau wird man es jedoch erst am Montag wissen, wenn die Reformliste steht.

Griechenlands wirtschaftliche Lage hat sich verschlechtert

Auch beim geforderten Haushaltsüberschuss ist die Eurogruppe Griechenland ein wenig entgegengekommen. Der soll jetzt nur noch "angemessen" sein. Konkrete Zahlen werden (noch) nicht genannt. Ein großer finanzieller Spielraum ergibt sich dadurch aber wahrscheinlich nicht. Die wirtschaftliche Situation des Landes hat sich – auch angesichts der turbulenten vergangenen zwei Monate – wieder verschlechtert, die Steuereinnahmen sind eingebrochen.

Was am Ende bleibt, ist Zeit. Vier Monate, in den denen die griechische Regierung zeigen kann, wie ihr langfristiges Konzept für Griechenland aussieht. Wie sie Steuerhinterziehung und Korruption im Land bekämpfen will. Vier Monate, in denen Griechenland verloren gegangenes Vertrauen der europäischen Partner wieder gewinnen kann. Und vielleicht auch vier Monate, um die Krisenpolitik in Europa doch ein klein wenig zum Besseren zu verändern.