Die Gläubiger Griechenlands haben gute Argumente, von der neuen Regierung aus Athen genervt zu sein. Die ist nach ihrem berauschenden Wahlsieg hemdsärmelig durch Europa getourt und hat einfach mal so das Ende der bisherigen Rettungspolitik verkündet. Mehr noch: Der neue Finanzminister Yanis Varoufakis verglich die Arbeit der von Griechenland so verhassten Troika mit den Foltermethoden der CIA.

Griechenland beansprucht für sich eine Sonderrolle, fordert Zeit und Geld und ist allenfalls bereit, Zugeständnisse in homöopathischer Dosis zu versprechen. Gleichzeitig tritt die neue Regierung als Heilsbringer für ganz Europa auf. Das kann nicht funktionieren, darauf müssen EU und Eurozone ablehnend reagieren. Vor allem dann, wenn es um Milliarden von Steuergeldern geht.

Selbst nach fünf Tagen Krisenverhandlungen ist immer noch unklar, was die griechische Regierung überhaupt will. Stattdessen wird der eilig angereiste Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem in Athen öffentlichkeitswirksam vorgeführt. Das mag Punkte beim heimischen Wahlvolk bringen, kommt bei den europäischen Partnern jedoch extrem schlecht an.

Und dann noch als neuer Kollege in Brüssel langatmige, akademische Vorträge über Demokratie zu halten – und gleichzeitig den immensen Finanzbedarf Griechenlands allenfalls am Rande zu erwähnen: Auch hier hat Varoufakis die Geduld seiner Amtskollegen mächtig strapaziert.

Ein Kompromiss muss gelebt werden

Zum vollständigen Bild der Geschichte gehört aber auch: Es ist ein Zeichen von mangelndem Respekt und fehlender Solidarität, wie der Rest Europas gerade mit Griechenland umspringt. Auch wenn es einigen europäischen Politikern nicht passen mag, dass die ungeliebte Linke die Wahlen in Griechenland gewonnen hat. Sie verdient Gehör. Ihre Kritik an der Troika-Politik und an der Euro-Rettung der vergangenen Jahre hat ihre Berechtigung.

Die Abschlusserklärung, welche die Eurogruppe gestern Nachmittag den Griechen zur Unterschrift vorlegte, war jedoch so offensichtlich inakzeptabel, dass es fast unverschämt war, sie überhaupt auf den Tisch zu legen. Von Entgegenkommen, von Kompromissbreitschaft war nichts zu spüren. Gerade Deutschland spielt hier eine unrühmliche Rolle. Nicht nur, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sich immer wieder so unnachgiebig gibt. Im Hintergrund lästert das Finanzministerium auch noch über den neuen griechischen Kollegen und kritisiert sein Auftreten in Brüssel. Das ist auch schlechter Stil!

Egal, wer hier gerade wen erpresst, die Griechen den Rest Europas oder die Eurozone und der IWF die Griechen: Es ist eine Lose-lose-Situation, in die sich alle Beteiligten begeben. Die Eurozone gerät so einmal mehr an ihre Grenzen. Wenn es den oft formulierten Wunsch nach einer Einigung tatsächlich gibt, dann müssen sich beide Seiten jetzt bewegen. Europa ist ein Kontinent des Kompromisses. Nur der muss auch gelebt und nicht nur gefordert werden. Das gilt für beide Seiten.