Ein Hochhaus mit Glasfassade in Piräus. Hohe Mauern umgeben das Gebäude. Wer einen der reichsten und mächtigsten Männer Griechenlands treffen möchte, muss gleich mehrere Sicherheitskontrollen passieren. Aufzug in die Chefetage, vorbei an den Fernseh- und Radiostudios des Privatsenders Skai, einer der größten Griechenlands. Vorbei an der Redaktion der Tageszeitung Kathimerini, eine der ältesten und größten des Landes. Und vorbei an den Büros der Reederei Kyklades Maritime, die mit ihren Tankern Millionen Tonnen Öl über die Weltmeere verschifft.

Es öffnet sich eine gut 20 Zentimeter dicke Panzertür zu einem Besprechungszimmer. Dort sitzt er an einem langen Glastisch: Giannis Alafouzos, 58, Reeder, Medienunternehmer und Präsident wie Hauptanteilseigner des griechischen Erstligisten Panathinaikos Athen. Der marineblaue Anzug sitzt perfekt, das dezente Lächeln ebenso. Hinter ihm breitet sich das Panorama der Hafenbucht von Piräus aus. Weiße Jachten schimmern in der Ferne.

"Ich bin kein Oligarch", sagt Alafouzos und rückt in seinem Stuhl herum. Sicher, in seiner Unternehmensgruppe kämen viele unterschiedliche Geschäftsfelder zusammen. Aber großen Einfluss auf den Staat hätten in Griechenland vor allem jene Unternehmer und Industrielle, die direkt Aufträge von der Regierung erhielten. Die großen Bauunternehmer etwa oder die Bankenchefs. Er gehöre nicht dazu. Die Verwicklungen zwischen den Oligarchen und dem Staat seien besorgniserregend, sagt Alafouzos. "Ich hoffe, dass die neue Regierung tatsächlich gegen Korruption vorgeht, weil sie schädlich ist für dieses Land."

Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung

Für einen Multimillionär in Griechenland sind das bemerkenswerte Aussagen. Alafouzos will außerdem etwas klarstellen: "Diese Nation ist kein Land der Steuerhinterzieher." Er ärgert sich über den Eindruck, der im Ausland vorherrsche: "Jeder normale Angestellte zahlt seine Einkommenssteuer über die Gehaltsabrechnung", sagt Alafouzos. "Da gibt es keine Ausflüchte." Dies gelte jedoch nicht für einige sehr wohlhabenden Griechen und die vielen freiberuflich tätigen Ärzte oder Anwälte, mit denen gebe es durchaus Probleme.

Alafouzos kann wohl offener als andere über das heikle Thema sprechen, weil er vor 15 Jahren genau deshalb mit dem Gesetz in Konflikt geriet: Er erhielt eine mehrjährige Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung. Aber der Unternehmer schaffte ein Comeback, er gilt als geläutert.

Alafouzos ist der Juniorchef einer alten griechischen Reederdynastie, die ursprünglich von der Kykladeninsel Santorini stammt. Neben den Fernseh- und  Radiosendern und der Tageszeitung besitzt die Familie eine Flotte aus neun modernen Öltankern, jeweils mit einem Fassvermögen zwischen 115.000 und 150.000 Tonnen. Neuwert pro Stück: mindestens 50 Millionen Euro. Vor einigen Jahren hat Alafouzos sich ein weiteres Betätigungsfeld gesucht: den Fußball. "Meine Leidenschaft", sagt er. Im Frühling gewann Panathinaikos Athen den griechischen Pokal.

In den Händen dieses Mannes, die jetzt unruhig mit einem Stückchen Papier herumspielen, konzentriert sich ziemlich viel Macht für so kleines Land wie Griechenland: Meinungsmacht, Wirtschaftsmacht, emotionale Macht. Wie kann er sicherstellen, dass seine Sender und die Zeitung neutral etwa über seinen Fußballclub berichten? "Es ist ganz klar, dass Skai eine positive Haltung gegenüber Panathinaikos einnehmen soll." Wenn Alafouzous spricht, schaut er einem geradeaus in die Augen. "Wir machen kein Geheimnis daraus", sagt er. Die Zeitung Kathimerini jedoch verhalte sich in der Fußballfrage neutral. Doch ist es in Griechenland auch kein Geheimnis, dass die Zeitung genauso wie die Familie Alafouzos in der Politik eine eher konservative, wirtschaftsliberale Haltung einnimmt. In der Krise unterstützte Kathimerini den Kurs der bisherigen Regierung, die Sparpolitik und das Festhalten am Euro.