Einmal mehr kommt in diesen Tagen die Eurozone an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Einmal mehr geht es um Griechenland und dessen Verbleib in der Eurozone. Deshalb sind auch IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Präsident Mario Draghi am Freitag nach Brüssel gekommen.   

Einen Kompromiss zu finden, das haben die vergangenen Tage gezeigt, wird äußerst schwierig. Wird Griechenland explizit zusagen, das aktuelle Reformprogramm erfolgreich abzuschließen? Werden die Finanzminister – insbesondere Wolfgang Schäuble – dem Land entgegenkommen und wenn ja, wo?

Die entscheidende Sollbruchstelle liegt in den Reformen, welche die Vorgängerregierung umgesetzt oder mit der Troika (EU-Kommission, IWF und EZB) vereinbart hat und die jetzt von der neuen Regierung infrage gestellt werden. Athen beharrt etwa darauf, umstrittene Arbeitsmarktreformen wieder zurückzunehmen. Auch will Regierungschef Alexis Tsipras den Mindestlohn wieder erhöhen, ebenfalls ein No-Go für die Kreditgeber. Für Tsipras spielt gerade letzteres aber eine große Rolle, er darf seine Wähler daheim nicht zu sehr enttäuschen.    

Schäuble lehnt Griechenlands Antrag ab

Die Geldgeber fordern dagegen, dass einmal getroffene Reformvereinbarungen auch eingehalten werden. Aber ob sie dafür gar ein Auseinanderbrechen der Eurozone riskieren? Schwer zu sagen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zumindest hat in den vergangenen Tagen eine harte, unmissverständliche Haltung eingenommen. Es wird ihm schwerfallen, ohne großen Gesichtsverlust davon wieder abzurücken. 

Seit Mittwoch liegt nun ein Hilfsantrag aus Athen vor – doch der reicht den Euro-Finanzministern nicht aus. Schäuble wies ihn als "nicht substanziell" zurück – und wurde dafür von seinem Koalitionspartner SPD kritisiert. Wieder gebe es kein klares Bekenntnis der griechischen Regierung, das aktuelle Reformprogramm erfolgreich beenden zu wollen, heißt es aus dem Finanzministerium. Damit allerdings würden auch sämtliche Wahlversprechen der Tsipras-Regierung gebrochen.

Wenige Stunden später tauchte gar ein Papier auf, in dem die deutschen Vertreter den griechischen Antrag als "Trojanisches Pferd" bezeichnen, von Hinterlist sprechen und den Griechen die Wortwahl für den Antrag fast in den Block diktieren. Ein ganz schön forsches Auftreten.

Die Lage ist also äußerst vertrackt. Ob sich die 19 Euro-Finanzminister tatsächlich am Abend oder in der Nacht auf eine Abschlusserklärung einigen, ist offen. Der Beginn des Treffens in großer Runde wird fast im Stundentakt nach hinten verschoben, weil gerade Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem im Hintergrund Gespräche mit einzelnen Ländern führt. Das kann man als gutes Zeichen werten, es wird zumindest verhandelt. Oder als schlechtes Omen: Es ist extrem schwierig, einen Konsens zu finden.