Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit: Im vergangenen Jahr waren es weit mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen (57,8 Prozent) und 20 Prozent aller erwerbstätigen Männer. Das zeigt ein Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Teilzeitquote der Frauen hat sich damit seit 1991 fast verdoppelt, die der Männer sogar vervierfacht.

Allerdings sind traditionelle Rollenbilder immer noch fest verankert und die Gründe für die Teilzeitarbeit unterscheiden sich je nach Geschlecht deutlich. Die meisten Männer in Teilzeit gaben an, keine Vollzeitstelle zu finden, oder noch in der Ausbildung oder im Studium zu stecken. Frauen entschieden sich laut IAB am häufigsten wegen der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen gegen eine Vollzeit-Stelle.

Die Zahl der beschäftigten Frauen stieg seit der Wiedervereinigung um 21 Prozent, dadurch sind nun fast die Hälfte aller Arbeitnehmer Frauen. Allerdings stieg die von ihnen geleistete Arbeit nur um 4 Prozent, weil so viele in Teilzeit arbeiteten. "Ein etwas höheres Arbeitsvolumen wird heute also von deutlich mehr Arbeitnehmerinnen erbracht als früher", sagte die IAB-Forscherin Susanne Wanger. 

Während bei Frauen vor allem die Familie entscheide, ob und in welchem Umfang sie arbeiten, werde das Erwerbsverhalten von Männern davon dagegen kaum beeinflusst, schreibt die Forscherin. Das Modell, in dem der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet, sei mit 45 Prozent besonders beliebt. Lediglich bei einem Viertel der Paare mit Kindern hätten beide Partner in etwa die gleiche Arbeitszeit.

Wanger sagte, passende Arbeitszeitmodelle und finanzielle Anreize könnten dazu führen, dass sich die Arbeitszeiten zwischen Männern und Frauen angleichen. Denn lange Teilzeitphasen brächten Nachteile bei Einkommen, Karriere und Alterssicherung mit sich.