Die griechische Regierung ist bereit, entscheidende Forderungen ihrer Gläubiger zu erfüllen, hält sich aber Hintertüren offen. Immerhin hat der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis am Donnerstag ausdrücklich einen Verlängerungsantrag gestellt. Allerdings, und das ist die Hintertür, soll nicht das Reformprogramm der Troika verlängert werden (Memorandum of Understanding), sondern die bestehende Kreditvereinbarung (Master Financial Assistance Facility Agreement). Darin ist zwar das Memorandum of Understanding enthalten, das die umstrittenen Reformauflagen festlegt. Es fehlt aber die ausdrückliche Verpflichtung der Griechen auf das aktuelle Reformprogramm. In dem Antrag erkennt Varoufakis ausdrücklich nur die "finanziellen und verfahrenstechnischen Inhalte" der Kreditvereinbarung an – aber eben nicht explizit die Reformauflagen.

Die deutsche Bundesregierung reagiert entsprechend zurückhaltend: "Der Brief aus Athen ist kein substanzieller Lösungsvorschlag", teilte das CDU-geführte Bundesfinanzministerium mit. "In Wahrheit zielt er auf eine Brückenfinanzierung, ohne die Anforderungen des Programms zu erfüllen." Ob Schäubles Zurückweisung des Antrags mit der Bundeskanzlerin und dem Koalitionspartner SPD abgestimmt ist, ist noch unklar.  

EU-Kommissionpräsident Jean-Claude Juncker ist dagegen optimistischer: Der Brief sei ein positives Zeichen und könnte den Weg für eine Einigung bereiten, sagte seine Sprecherin. Allerdings liegt die Entscheidung über den Antrag ausschließlich bei den Euro-Finanzministern, nicht bei der EU-Kommission.

Das zweiseitige Schreiben zeigt allerdings auch: Finanzminister Yanis Varoufakis will wichtige Forderungen der Finanzminister der Eurozone erfüllen, die diese bei ihrem Treffen am Montag zur Bedingung für einen Kompromiss gemacht haben:

  1. Alle neuen Entscheidungen, die die Regierung in Athen trifft, müssen laut Varoufakis durchfinanziert und mit den Geldgebern abgesprochen sein. Einseitige Maßnahmen der griechischen Regierung sollen unterbleiben, wenn sie die Haushaltsziele, die wirtschaftliche Erholung des Landes oder die finanzielle Stabilität gefährden.
  2. Griechenland verpflichtet sich, die Zusagen gegenüber seinen Gläubigern einzuhalten und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Allerdings ist die Formulierung der Griechen hier sehr schwammig: Varoufakis spricht lediglich von der Absicht zu kooperieren: "Griechenland würdigt die Verpflichtungen all seinen Gläubigern gegenüber und macht die Absicht deutlich, mit allen Partnern zusammenzuarbeiten, um technische Probleme mit der Kreditvereinbarung zu verhindern, die wir als bindend ansehen …"

Es gibt allerdings einen Punkt, den das Schreiben ausdrücklich nicht erfüllt. Gerade die Deutschen pochen darauf, dass Griechenland seine Reformen nicht zurückdrehen darf (no roll-back). In diesem Schreiben wird das ausdrücklich nicht zugesagt. Die griechische Regierung betont zwar, Fiskalziele einzuhalten, für wirtschaftliche Erholung und finanzielle Stabilität zu sorgen. Aber eine explizite Zusage zu gemachten Reformen gibt es nicht. Auch gibt es keine konkreten Reformvorschläge, etwa ein stärkerer Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung.