Wolfgang Schäuble will nicht zurückweichen. Den Hilfsantrag der Griechen hat der deutsche Finanzminister am Donnerstag abgelehnt, kaum dass er in Brüssel angekommen war. Der Spielraum für Schäuble wird jedoch zunehmend kleiner. Es mehren sich die Stimmen, die Verhandlungen mit den Griechen fordern und die Chancen auf einen Kompromiss sehen.

Hoffentlich können sie Herrn Schäuble überzeugen. Deutschland ist nicht das einzige Euroland, das über die Zukunft Griechenlands zu entscheiden hat. Auch wenn es einem manchmal so vorkommen muss.

Natürlich bietet das Papier aus Athen einigen Interpretationsspielraum, wie Schäuble moniert. Aber es ist auch kein Beschluss der Eurogruppe, sondern nur ein Antrag, über den verhandelt werden soll. Zumal die griechische Regierung ihren europäischen Partnern in entscheidenden Punkten entgegenkommt.

Sie wehrt sich nicht mehr gegen weitere Troika-Kontrollen und sie akzeptiert Teile des Reformprogramms. Athen verpflichtet sich außerdem zu einem Haushaltsüberschuss, lässt allerdings offen, in welcher Höhe – was die Deutschen ärgert. Dass die Tsipras-Regierung weitere harte Sparmaßnahmen ablehnt – wie beispielsweise eine erneute Rentenkürzung – ist durchaus nachvollziehbar.

Humanitäre und soziale Krise

Wie soll Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen, wenn die Wirtschaft knapp unter einem Prozent wächst? Durch weitere Einsparungen, die den Binnenkonsum noch mehr abwürgen, sicher nicht. Es muss ein Paradigmenwechsel eingeleitet werden. Genau das aber versucht Finanzminister Schäuble mit aller Macht zu verhindern. Dabei müsste er längst eingesehen haben, dass das deutsche Konzept der Griechenland-Rettung gescheitert ist. Ein simples "Weiter so!" funktioniert nicht.

Man muss es sich noch einmal vor Augen führen: Seit fünf Jahren wird versucht, die Krise in Griechenland zu lösen. Das Ergebnis der Troika-Politik: Das Land hat heute mehr Schulden als zu Beginn, die Wirtschaftsleistung ist um 30 Prozent eingebrochen und die Arbeitslosenquote ist auf 25 Prozent gestiegen. Die griechische Regierung moniert zu Recht die humanitäre und soziale Krise im eigenen Land.

Niemand sagt, dass die Euroländer Griechenland einfach so noch mehr Geld geben sollen, dass Griechenland ohne jede Kontrolle, ohne jede Auflagen einfach weitermachen darf. Und am Ende vielleicht noch Wahlgeschenke mit europäischem Steuergeld finanziert. Im Gegenteil: Griechenland ist in vielen entscheidenden Punkten der Eurogruppe entgegengekommen.

Es ist an der Zeit, den Griechen entgegenzukommen, Herr Schäuble!