Man kann doch nicht etwas kritisieren, das es noch gar nicht
gibt! Diesen Vorwurf bekommen TTIP-Kritiker immer wieder zu hören, wann
immer die Proteste gegen das geplante europäisch-amerikanische
Freihandelsabkommen wieder hochkochen.
Zwar wird über TTIP tatsächlich noch verhandelt, fest steht
nichts. Doch jetzt liefert die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung neue
Argumente für die Debatte. Sie hat das Ceta-Abkommen untersuchen lassen. Das
wurde zwischen Kanada und der EU verhandelt, dessen Text ist inzwischen bekannt
und hat auch Bedeutung für die Verhandlungen mit den USA. Denn es gilt in
vielen Bereichen als "Blaupause" für TTIP.
Das Böckler-Gutachten sieht das Grundproblem von Ceta in der
weitreichenden "Liberalisierungsverpflichtung" des Vertrages und macht das auch
konkret. So werde es beispielsweise künftig schwieriger, die
Datenschutzbestimmungen in der EU oder Deutschland zu novellieren, weil das von
kanadischen Investoren als "indirekte Form der Enteignung" aufgefasst
werden könne. Auch soziale Standards sieht es durch Ceta bedroht.
Beispielsweise fehlten dem Kapitel über "das öffentliche Beschaffungswesen
verbindliche Sozialklauseln" weitgehend. Daher könne die "Kopplung der
Auftragsvergabe an die Einhaltung von Vergabe- und Tariftreuegesetzen"
schwierig werden.
Problematisch findet Gutachter Thomas Fritz auch, dass Ceta
beispielsweise "die Umgehung der nationalen Gerichtsbarkeit" durch kanadische
Unternehmen ermögliche. Der Vertrag erlaube den Investoren damit, in Streitfällen
statt vor nationale Gerichte lieber vor private Schiedsgerichte zu ziehen. Und
zwar auch bei höchst problematischen Themen. Beispielsweise "im Falle von
Entschädigungsklagen bei etwaigen Schuldenschnitten oder bei der Änderung von
Anleihekonditionen".
Stimmt das, könnte ein Schuldenschnitt für Griechenland
künftig im Extremfall zu Entschädigungszahlungen für kanadische Investoren
führen. Insgesamt 26, zum Teil höchst komplizierte Problemfelder
nennt das Gutachten und bietet damit eine umfassende "Übersicht der
potenziellen Betroffenheit verschiedener Branchen". In Kraft treten kann auch dieses Abkommen nur, wenn der
Bundestag dafür stimmt.
Man kann doch nicht etwas kritisieren, das es noch gar nicht
gibt! Diesen Vorwurf bekommen TTIP-Kritiker immer wieder zu hören, wann
immer die Proteste gegen das geplante europäisch-amerikanische
Freihandelsabkommen wieder hochkochen.
Zwar wird über TTIP tatsächlich noch verhandelt, fest steht
nichts. Doch jetzt liefert die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung neue
Argumente für die Debatte. Sie hat das Ceta-Abkommen untersuchen lassen. Das
wurde zwischen Kanada und der EU verhandelt, dessen Text ist inzwischen bekannt
und hat auch Bedeutung für die Verhandlungen mit den USA. Denn es gilt in
vielen Bereichen als "Blaupause" für TTIP.