Langsam wird es ungemütlich im Mégaro Maxímou, dem Athener Regierungssitz von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Fast täglich erreichen den griechischen Premier schlechte Nachrichten, die sich vor der Öffentlichkeit kaum mehr verbergen lassen. Am Freitag titelte die Athener Finanzzeitung Capital zu den Steuereinnahmen im Januar und Februar: "Schwarzes Loch von 1,3 Milliarden Euro". Die Regierung hatte ursprünglich mit einem Haushaltsüberschuss zu Jahresbeginn geplant.

Um den Staatsbediensteten weiterhin ihre Gehälter zu zahlen, hat Premier Tsipras bereits die Rentenkassen und andere öffentliche Institutionen aufgerufen, ihre Einlagen an den Staat zu geben. Am Morgen traf sich Tsipras mit Zentralbank-Chef Yannis Stournaras zu einer Dringlichkeitssitzung. Mit dabei war auch Finanzminister Yanis Varoufakis, berichtete das griechische Staatsfernsehen.

Die Regierung muss im März mehrere Milliarden Euro unter anderem an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen. Am Mittwoch konnte sich Athen über die Ausgabe kurzlaufender Anleihen 1,13 Milliarden Euro am Kapitalmarkt verschaffen. Das wird aber nicht reichen: Tsipras kommt in ärgste Zahlungsnot, wenn nicht bald die versprochenen Kredite aus Brüssel fließen.

Brüssel erwartet konkrete "Zahlen und Maßnahmen"

Trotz der im Februar geschlossenen Vereinbarung halten die EU und der Internationale Währungsfonds weitere Hilfszahlungen zurück, die mit der Verlängerung des zweiten Rettungsprogramms für Griechenland verbunden sind. Der griechische Premier soll deshalb versucht, an diesem Freitag mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein Treffen zu vereinbaren, um ihn zu einer schnellen Auszahlung zu bewegen. Doch Juncker verwies auf Montag, wenn sich die Euro-Finanzminister in Brüssel treffen. Sie erwarten aus Athen erneut eine Liste zu den Reformversprechen, nun aber konkret mit "Zahlen und Maßnahmen", wie es aus dem Athener Finanzministerium heißt. 

Als Reaktion auf Tsipras Vorstoß erteilte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einer schnelleren Auszahlung der Hilfsgelder vorsorglich eine Absage. "Dafür gibt es keine Grundlage", sagte Schäubles Sprecher Martin Jäger. Die ausstehende Restzahlung aus dem laufenden Hilfsprogramm könne erst dann ausgezahlt werden, wenn die Reformen positiv bewertet wurden. Theoretisch möglich sei somit nur, dass Griechenland die Umsetzung der geforderten Reformen beschleunige. "Es liegt letztlich allein an der griechischen Regierung, wie schnell und wie gründlich sie vorgeht", sagte Jäger.

Notenbank-Chef Yannis Stournaras versuchte nach dem Treffen mit Alexis Tsipras zu beruhigen: "Es besteht absolut keine Gefahr", sagte er. Die Banken würden unterstützt und seien liquide. Dennoch verwies auch Stournaras darauf, dass es nun "sehr wichtig" sei, endlich eine Einigung mit den europäischen Partnern zu finden. In den vergangenen Monaten haben viele Menschen in Griechenland aus Angst vor einem Staatsbankrott und Euroaustritt ihr Geld von ihren Konten abgeräumt. Schätzungen zufolge wurden etwa 22 Milliarden Euro abgezogen.

Es sieht so aus, als ob die griechische Regierung von ihren internationalen Partnern an der ganz kurzen Leine gehalten wird. Auch die Europäische Zentralbank fährt einen harten Kurs: EZB-Direktor Mario Draghi ließ am Donnerstag wissen, die EZB werde erst dann wieder griechische Staatsanleihen als Sicherheit akzeptieren, wenn die neue Regierung die zugesagten Reformen beschließe. Die Zentralbank sei "die Erste", die die Finanzierung der griechischen Wirtschaft wieder aufnehmen wolle. "Aber unter dem Vorbehalt, dass die Bedingungen respektiert werden", sagte Draghi. Dies sei noch nicht der Fall.

Als eine Kondition nannte er, dass Athen und Brüssel ein Verfahren in Gang setzen, um die Überprüfung des laufenden Programms erfolgreich abzuschließen. Mit anderen Worten: Die Troika sollte wieder ihre Kontrollen in Athen fortsetzen.