Wer führt im griechischen Schulden-Drama derzeit eigentlich Regie? Nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras könnte man meinen: Merkel hat Griechenland zur Chefsache gemacht und schlägt versöhnlichere Töne an. Endlich, so hoffte Tsipras, werde ein "politischer Rahmen" für das unübersichtliche Spiel gefunden.

Doch in Wahrheit geht es immer noch und ausschließlich um Zahlen und Listen. Die Tsipras-Regierung soll endlich ein konkretes Reformprogramm vorlegen. Von einer drohenden Pleite des Landes lässt man sich in Brüssel nicht beeindrucken: Man werde sich von Athen nicht unter Druck setzen lassen. Griechenland müsse "eine substantielle, wohldurchkalkulierte Liste von Reformschritten, und nicht nur Überschriften, vorlegen", sagt einer aus den Reihen der Geldgeber, einer der ständig mit den technischen Prüfer-Teams der Institutionen in Athen in Kontakt steht. Seinen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen.

Er glaubt auch nicht an die Warnung der griechischen Regierung, dass bereits am 9. April das Geld ausgehen könnte: "Wir warten jetzt mal ab und lassen Schritt für Schritt prüfen, was Athen uns an Listen vorlegt." Statt hoher Politik also am Ende doch Dienst nach Vorschrift. Und das kann dauern.

Wann fließt wieder Geld?

Die Gespräche auf höchster politischer Ebene haben zumindest bewirkt, dass seit Mitte dieser Woche die Institutionen – vormals: die Troika – wieder Einblick in die griechische Finanzlage erhalten. Auch wenn sie von einem Überblick über die tatsächliche Liquiditätslage noch ziemlich weit entfernt sind, ist allen klar, dass die klammen Griechen nicht mehr lange durchhalten.

Wie präzise die geforderte Reformliste sein muss, und welchen Spielraum sie für Auslegungen bieten darf, darüber gehen die Ansichten weit auseinander. Großzügig gibt sich EU-Währungskommissar Pierre Moscovici: Er signalisierte bereits Anfang der Woche, dass schon einige "priority actions" auf der Liste genügen könnten. Sprich, ein paar angekündigte Parlamentssitzungen für Reform-Gesetzespakete könnten ausreichen, um wieder Gelder nach Athen zu überweisen. In Berlin sieht man das anders: "Moscovici ist der einzige, der hier gar nichts zahlt", sagt ein hochrangiger Vertreter des Bundesfinanzministeriums. "Die Kommission hat lediglich technisches Personal im Prozess. Entschieden wird von den Ministern der Euroländer und den Vertretern von ESM und EZB."

Aus Kreisen der Institutionen heißt es: Griechenland soll genau darlegen, welche finanziellen Konsequenzen einzelne Maßnahmen haben, die die neue Regierung in Abweichung zu ihren Vorgängern vornehmen will. So weiß Athen derzeit beispielsweise nicht, wie es die vom Parlament beschlossenen Sofortmaßnahmen gegen die humanitäre Krise (kostenloser Strom für arme Haushalte, Lebensmittelmarken für insgesamt 300.000 Bürger) gegenfinanzieren soll. Die Kosten des Gesetzes schätzen die Griechen auf 200 Millionen Euro.