ZEIT ONLINE: Herr Adam, Ihr Land wird dank der Gasfunde im Mittelmeer in den kommenden Jahren zum Energieexporteur: Bekommen wir in Europa bald israelisches Gas?

Ron Adam: Wir sind kein Emirat. 1999 haben wir das erste Gasfeld im Mittelmeer entdeckt. Vor fünf Jahren stießen wir dann auf die Gasvorkommen Tamar und Leviathan – zusammen sind das mehr als 900 Milliarden Kubikmeter. Die israelische Regierung hat jedoch entschieden, dass nur 40 Prozent des geförderten Gases exportiert werden dürfen. Sie sehen also: Unsere Ressourcen sind nicht unendlich groß.

ZEIT ONLINE: Trotzdem wird über eine neue Pipeline im Mittelmeer spekuliert.

Adam: Gas ist eine regionale Ware. Die ersten Kunden werden unsere arabischen Nachbarn sein und nicht Europa. Andererseits sind die Potenziale groß und Europa könnte sich mit uns längerfristig breiter aufstellen. Denn wir verstehen auch, dass Europa bei politisch schwierigen Partnern um seine Energiesicherheit bangt. Derzeit suchen wir nach europäischen Investoren, die uns helfen, das Gas zu fördern.

ZEIT ONLINE: Gibt es bereits Gespräche mit der EU?

Adam: Dazu nur so viel: Israelische Gaslieferungen sind nur sinnvoll, wenn wir sie zusammen mit unseren zypriotischen Partnern planen. Zypern hat ebenfalls Gasvorkommen im Mittelmeer entdeckt und Ägypten hat einige Flüssiggasstationen. Zusammen können wir darüber nachdenken, Flüssiggas mit Schiffen nach Europa zu transportieren – das wäre der erste Schritt und auch nicht so teuer. Darüber gibt es auch schon Gespräche zwischen den beteiligten Unternehmen. Eine Pipeline nach Griechenland zu bauen, ist aufgrund der geologischen Gegebenheiten aber fast unmöglich und außerdem extrem teuer.

ZEIT ONLINE: Wann werden Sie mit den Gasexporten beginnen?

Adam: Wir werden nicht vor 2020 ins Ausland exportieren. Die Förderung unseres größtes Gasfeldes Leviathan stockt gerade, da es Probleme mit der Wettbewerbsbehörde gibt – zwei Unternehmen halten so gut wie alle Anteile an den neuen Gasvorkommen. Ohne dieses größere Gasfeld ist ohnehin nicht an Exporte zu denken. Allerdings gibt es Ausnahmen: Demnächst wollen wir über die bestehende Onshore-Pipeline über den Sinai Gas nach Ägypten liefern. Diese Pipeline diente jahrelang dazu, Gas von Ägypten nach Israel zu bringen, nun ist es umgekehrt.

ZEIT ONLINE: Mit den neuen Gasvorkommen macht sich Israel nicht nur Freunde. Mit dem Libanon soll es beispielsweise Streitigkeiten über die Grenzziehungen im Meer geben…

Adam: Nein, es gibt keinen Streit. Und es wird keinen Krieg um Gas geben, wenn Sie das meinen. Aber sicherlich müssen die Meinungsverschiedenheiten bald geklärt werden.